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VI. Im Kittchen

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

56	Großstadt-Dokumente Bd. 28. Schwere Jungen.

Mauern des Gefängnisses sauste er hinauf und besuchte die Gefangenen in ihren einsamen Zellen. Und die Gefangenen standen von ihrer Arbeit auf und gingen still, wie es die Hausordnung befiehlt, hin und schlössen die Fenster, deren Riegel kreischten und sich sträubten, wie alles in diesem widerspenstigen, unlustigen Hause.

Nun war es still. Die leuchtenden Fenster erloschen, und wie ein schwarzes gigantisches Rechteck ragte das Gefängnis in die Nacht. Auch der Sturm war zur Ruhe gegangen, vorher aber hatte er dem Himmel das düstere Gewand in Fetzen gerissen. Die flatterten nun von allen Seiten herunter und enthüllten ihn in seiner strahlenden, tiefdunkelblauen Nacktheit. Drüben stieg der Mond herauf wie ein großes, glänzendes Goldstüd, und sein schönes, weihevolles Licht ging über die Erde und erweckte die träumenden Frühlingsgeister. . .

Der Aufseher von Station III war eben, auf Filzsohlen schleichend, herumgekommen und hatte, an jedem Griff der Stahlschlösser rüttelnd, noch einmal die Sicherheit der Zellen erprobt, als in Zelle 207 in dem fahlen Licht, das durch das hohe vergitterte Fenster des kleinen Raumes fiel, eine Weiße Gestalt von der eisernen Bettstelle herunterglitt und mit einem Sprunge an dem vorn an der Zellentür befindlichen Klosett war.

Den Deckel emporheben und in dem mit der äußersten Sauberkeit behandelten Becken — dafür sorgte schon die Gefängnisverwaltung! — mittelst einer Bürste das Wasser aus dem Standrohr herausschlagen — das war das Werk weniger Sekunden.

Dann kniete der Gefangene nieder, und während er wie in ein Sprachrohr hinein die Frage tat: „Seid Ihr schon da?" hörte er rechts und links unter sich ebenfalls ein paar Leute das Wasser mit klatschenden Schlägen entfernen.
        
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