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V. In der Kaschemmme

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

52 Großstadt-Dokumente Bd. 28. Schwere Jungen. 
die gute Bauersfrau nicht daran denkt, ihren Hennen die 
Nester wegzunehmen, in die diese ihre Eier legen. Denn 
dort findet die brave Polente l0°) immer wieder ihre 
guten Bekannten. 
Früher gab es interessantere Kaschemmen in Berlin. 
Da war der „düstere Keller" am Büschingplatz, „das 
eiserne Pferd" und der „Schmortopf" im Scheunenviertel, 
der „Janitscharen-Keller" in der Kommandantenstraße, 
ein Lokal in der Dresdenerstraße, das noch vor mehreren 
Jahren florierte und dessen ungemein interessanter Betrieb 
erst durch das generelle Verbot nächtlichen Konzertierens 
in der Reichshauptstadt gestört worden ist. Dieser Keller 
war ein Cabaret in des Wortes volkstümlichster Bedeutung. 
Es gab dort außer der bekannten Dame ohne Unterleib, 
dem zwei Centner schweren Knaben, dem Herkules und 
Degenschlucker auch einen Volkskomiker, der seine Lieder 
im echtesten Berliner Dialekt selber schrieb und alle 
Tages- und politischen Ereignisse in sein Bereich zog. 
Aber dieses, wie die meisten anderen Lokale, welche 
noch den Charakter des alten Berlins, der alten Tabagie 
atmeten, sind der umstürzlerischeu Bauwut des modernen 
Spreebabels zum Opfer gefallen. Es gibt noch einige 
solcher Lokale in den Gäßchen zwischen dem Kölnischen 
Fischmarkt und der alten Parochialkirche; dieses Stadt¬ 
viertel nüt seinen düsteren Winkeln und der bis in diese 
aufgeklärten Tage hinein festgehaltenen schwärzlichen 
Romantik sagt wohl den Gaunern noch am meisten zu. 
Weit mehr Kaschemmen finden sich indessen an der 
Peripherie der Stadt, auf dem Brunnen und auf dem 
Wedding, draußen im äußersten Osten und dann wieder 
mitten im Herzen Berlins, in der unteren Friedrichstadt, 
wo allerdings hauptsächlich Zuhälter mit ihren Mädchen 
verkehren. Es ist nötig, hierbei zu bemerken, daß Ein¬ 
brecher und Zuhälter absolut nicht identisch sind. Wohl
        
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