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V. In der Kaschemmme

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

V. In der Kaschemme.

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Dann fesselte der Kommissar die Gräfin und fuhr mit ihr nach dem Präsidium, wohin er auch die beiden Kinder mitnahm.

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Die Kaschemmen haben heute selten mehr in ihrem Aenßeren jenen unheimlichen pittoresken Charakter, der sie zu einem so anziehenden Schauobjekt für den neugierigen Bürger macht, der jetzt und früher in Begleitung von Polizeibeamten sich auf eine solche nächtliche Fahrt begibt.

An mich selbst wird immer wieder das Ansinnen gestellt, Bekannte und weniger .Bekannte auf meinen Spaziergängen durch das dunkle Berlin mitzunehmen. Jedoch stets mit demselben negativen Erfolg. Denn selbst wenn ich wollte, könnte ich den Leuten in unserm heutigen Berlin kaum noch etwas Anderes zeigen, als ein paar schlecht gekleidete, ordinär aussehende Menschen in der Umgebung einer schmutzigen und meist gar nicht wohlriechenden Destille. Die Annahme, daß die Verbrecher den neugierig hereinkommenden Herrschaften sogleich ein kleines Nachtasyl vorspielen werden, ist eigentlich recht naiv.

Sehen tun solche Leute gar nichts, und was sie zu hören bekommen, sind im besten Falle Anrempeleien, die sich sehr leicht zu Tätlichkeiten steigern können. Die Gauner wollen unter sich sein und bleiben. Es hält sehr schwer, mit ihnen näher bekannt zu werden und ihr Vertrauen zu gewinnen. Bei der geringsten, oft völlig haltlosen Mutmaßung eines Verrates kommen ihre Krallen zum Vorschein, und dann kann man sich gratulieren, wenn man mit heiler Haut die Kaschemme verläßt.

Die Polizei kennt fast alle diese Lokale, es wäre eine Kleinigkeit für sie, den jBoostm") die Konzession zu entziehen. Die Behörde tut das aber nicht, gerade wie
        
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