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IV. Die Jugendlichen

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

tV. Die Jugendlichen.

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Derselbe Staat, der weder Lust, noch Zeit, noch Geld hat, sich der von ihren Eltern unbeaufsichtigten und vernachlässigten Kinder anzunehmen, der Staat, der seine vornehmste Pflicht, die Jugend zu erziehen und sich ein neues körperlich und moralisch gesundes Geschlecht heranzubilden, fortwährend vernachlässigt, dieser selbe Staat ist wie ein bösartiger und unbrauchbarer Lehrer sofort bereit, aus das armseligste Geschöpf mit seinen Strafen loszuschlagen, sobald es strauchelt.

Von einem Kinde, das vom ersten Momente seines Lebens in einer von schmutzigen Menschen überfüllten Stube geatmet hat, dessen Blut vom ersten Tage seines Daseins an ebenso vergiftet wurde, wie seine Seele, die nichts anderes als Eindrücke der Rohheit und sexueller Gemeinheit in sich aufnehmen konnte; dieses arme Kind, das in sechzig Fällen vom Hundert durch den Trunk des Vaters mit einer Reihe von bösen und schädlichen Instinkten, mit der Widerstandslosigkeit des Blutes und ähnlichen schweren Schäden behaftet war. dieses Geschöpf, das im höchsten Grade unverantwortlich ist, bei dem der Verstand nur langsam reifen und das kontrollierende Bewußtsein so gut wie gar nicht gedeihen kann. wird fast immer in einem Alter sich selbst überlassen, wo die Kinder anderer, besser sitmerter Menschen noch fortwährend beaufsichtigt, von den ängstlichen Augen der Liebe behütet und bei dem kleinsten Fehlschritt durch den Verstand der Erwachsenen zurückgehalten und wieder auf den rechten Weg gebracht werden.

Und nun tritt die Not, der Hunger an jenes kleine, armselige Menschenkind heran. Und überall rings um sich her sieht es. wie die andern essen und trinken und voller Freude sind. Und mit dem neidischen Vergleich verbindet sich in dieser armen kleinen Seele der wilde Wunsch, auch so zu leben und zu genießen. Leicht ist
        
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