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II. Baldower und Flatterfahrer

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

n. Baldower und Flatterfahrer.	21

er zuerst mit Nachschlüsseln sein Heil versucht, um dann, falls dies nicht glückt, sofort mit dem Stechers tiewtme38) zu machen.

Selten arbeitet der Sonntagsfahrer zu zweien. Er ist beinahe immer allein und scheut hör jeder Gewalttat zurück. So passierte es eines Tages, — der betreffende Dieb erzählte mir die Geschichte selbst unter vielem Lachen — baß er in eine Wohnung kam, wo eine jungL Frau allein im Bett lag und schlief. Der Dieb trat? in das sehr dunkel verhängte Zimmer hinein und sah dis hübsche kleine Person in ziemlicher Hüllenlosigkeit vor sich. Das reizte ihn derart, daß er seine Absicht zu stehlen ganz vergaß und nur noch einen Kuß von ihrem roten/Munde rauben wollte. Sie aber öffnete schlaftrunken ihre weichen Arme, hoffentlich in der Meinung, ihr Mann sei schon zurückgekommen, und zog den Spitzbuben ans Herz, was dieser gar nicht übelnahm .... Er sagte mir, daß er später noch oft dort gewesen wäre, aber immer ohne zu stehlen....

Diese Art von Dieben werden auch Klingelfahrer oder Klinkenputzer genannt. Die von ihnen ausgeführten Diebstähle werden erklärlicherweise gar nicht vorbereitet. Diese Leute, die nach ihrem eigenen Ausdruck nur „Guten Tag sagen", riskieren alles und beweisen oft eine unglaubliche Frechheit in der Art, wie sie ihre Beute, oft ganz riesige und für eine Person kaum tragbare Packen, fortbringen.

Sie ähneln darin den Flatterfahrern, die allerdings gern die Dachluken benutzen, um sich mit ihrer Beute zu entfernen.

Die Flatterer gehen mit freundlichem Gruß an den Hausbewohnern vorbei, die Treppe hinauf nach den Bodenräumen, deren Vorlegeschlösser sie einfach mit dem Luden39) Wegbrechen. Dann packen sie zusammen, was ihnen irgendwie mitnehmenswert erscheint, und bringen, falls ihnen
        
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