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II. Baldower und Flatterfahrer

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

20 Großstadt-Dokumente Bd. 28. Schwere Jungen. 
Blechkännchen, angeblich um nachzusehen, ob noch genug 
Wasser auf dem Gasometer ist, bei welcher Gelegenheit 
er dann erklärt, daß der Gasgeruch, der sich in der 
Wohnung bemerkbar mache, eine eingehende Prüfung 
sämtlicher Leitungen bedinge. Während er nun die Wände 
abklopft und aufmerksam die Röhren und verschraubten 
Rosetten der Leitungen Prüft, sieht er genau zu, was und 
wo etwas in der Wohnung zu holen ist. 
Spitzbuben, die über eine dufte Schale^) verfügen, 
lassen sich wohl auch als Reisende eines Buttergeschäftes, 
einer Petroleum- oder Seifenfirma bei der Hausfrau 
melden und betreten so ganz offiziell die Wohnräume. 
Oder aber es wird eine Liebschaft mit einer der im Hause 
bediensteten weiblichen Personen angeknüpft, und dann 
versucht der Spitzbube natürlich, so bald als möglich in 
die Schlafkammer des Mädchens und von dort in die 
anderen Wohnräume hineinzukommen. 
Manchmal hält auch der eine von den Gaunern das 
Mädchen unten auf der Straße mit schönen Worten auf, 
während seine Komplizen die Wohnung, die natürlich auch 
von der Herrschaft verlassen sein muß, ausrauben. 
Sehr beliebt ist diese Art bei den sogenannten 
Sonntagsfahrern, Dieben, die sich fast immer Sonn- und 
Feiertage dazu aussuchen, um in die von ihren Inhabern 
verlassenen Quartiere hineinzudringen. 
Solch Sonntagsfahrer, den man auch Klingelputzer 
nennt, verfährt nach einem sehr einfachen Rezept: Er geht 
meistens so hoch ins Haus hinauf, daß er nur von unten 
her eine Ueberraschung zu gewärtigen hat. Und dann 
klingelt er. Oeffnet nun jemand, so fragt er nach irgend 
einer Person, die in diesem Hause jedenfalls nicht wohnt, 
und verschwindet mit höflichem Dank für die erteilte 
Auskunft. Kommt aber auf wiederholtes Klingeln niemand, 
so geht er mit großer Gewandtheit an die Arbeit, bei der
        
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