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I. Wie man Verbrecher züchtet

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

I. Wie man Verbrecher züchtet.

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Kapitalverbrechen gefaßt zu werden, sehr groß ist. besonders für den. dessen Konterfei und anthropometrische Daten^) die Krirninalakten nicht nur seines Heimatlandes, sondern auch noch der Nachbarstaaten zieren.

Aber worüber er selbst keinen Augenblick im Zweifel ist, das ist die Gegensätzlichkeit zwischen den eigenen Anschauungen vom Leben und der bürgerlichen Moral. Sobald der Einbrecher das erstemal im Gefängnis gesessen und Zeit gehabt hat, über seine Existenz nachzudenken, wobei ihn übrigens Zellengenossen und Nachbarn noch nach Möglichkeit aufzuklären versuchen, so weiß er auch, daß er ein Feind der Gesellschaft ist, deren Verfolgungen er zu fürchten, mit List und Schlauheit zu bekämpfen mtd nötigenfalls mit Gewalt unwirksam zu machen hat.

Denn ebenso wie es trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnis der] bürgerlichen Gesellschaft noch immer nicht in den Kops will, daß die sogenannte Strafe (an sich ein Verderben bringender Ausdruck) nicht sowohl als Vergeltung, wie als Besserung aufgefaßt und angewandt werden sollte — ebenso glaubt der Verbrecher keinen Augenblick daran, daß man ihn zu einem besseren Menschen machen will oder daß überhaupt jemand um sein Schicksal Sorge trägt.

Es ist nicht wahr, daß die meisten von diesen Leuten undankbar sind, wenn sie gut behandelt werden. Im Gegenteil! Ein Strafanstaltsdirektor, der neben seinem Jnristentum auch als Schriftsteller tätig ist und der die Sache dieser Entrechteten zu seiner Herzensangelegenheit macht, versicherte mir persönlich, daß ihm noch kein Strafgefangener vorgekommen wäre, den er nicht nach kurzer Zeit mit Worten zu bändigen vermochte. Allerdings erwerbe er sich das Vertrauen seiner Leute auch nicht dadurch, daß er sie bei Wasser und Brot in den finstern Keller 6) fetzte, sondern indem er mit Zartheit und mit Güte in ihr Leben und ihle Vergangenheit einzudringen
        
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