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I. Wie man Verbrecher züchtet

Full text: Schwere Jungen / Hyan, Hans

I. Wie man Verbrecher züchtet. U 
hätte janz jerne weitergearbeitet, aber et war eben alle. 
Und nu looft man rnm und meld' sich hier und meld' sich 
da und schiebt Kohldampfs, und schließlich wird einen 
det zu ville, und denn jeht man hin und dreht 'n Ding^)." 
„Na, haben Sie denn nicht Angst vor'm Gefaßt¬ 
werden und bor der Strafe, wenn Sie so des Nachts 
auf diese schlimme Beschäftigung ausgehend" fragte ihn 
der Richter. 
„Nee, det is mir jerade so, wie wenn ’n anderer 
uff Arbeit jeht . . . Wat soll ick 'n da Angst haben! 
Faß ick wat, denn is et jut, und wenn se mir kappen, 
denn jeh ick eben mit und laß mir verschütten^)." 
„Ja, es kann doch aber nun auch zu einem Rencontre 
mit dem Bestohlenen kommen," sagte der Richter, „und 
die Anklage nimmt an, daß es in diesem Falle dazu 
gekommen ist und daß Sie das alte Fräulein, welches 
Sie wahrscheinlich beim Stehlen überrascht hat, ermordet 
haben." 
Ohne daß eine Muskel seines Gesichtes sich verzog, nur 
mit jenem Achselzucken, in dem sich die ganze Pomadigkeit 
des Berliner Proletariers offenbart, erwiderte Fritz 
Neumann: „Wat soll ick dazu sagen, Herr Präsident, ick 
wa't nich, und damit jut! Wenn de Polizei durchaus 
eetten sucht, den se 'n Kopp vor de Beene legen mechte, 
na, dagegen kann tck denn eben nischt machen, aber ick 
kann nich anders sagen, als ick bin uuschuldig." 
Und dabei blieb Fritz Neumann, all' den ihn be¬ 
lastenden Zeugenaussagen gegenüber. Er behielt seine 
Ruhe und verlor sie auch dann nicht, als sein schon 
fast entschiedenes Schicksal sich infolge eines unvorher¬ 
gesehenen und bedeutsamen Zeugnisses verschob und er, 
der gewiß seinen Kopf schon verloren gegeben hatte, von 
der Anklage des Mordes freigesprochen wurde. 
Freilich haben ihm die Richter für eine ganze An-
        
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