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Im Arbeitshaus Kleine Erlebnisse

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

96 Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

und auch Wanduhren. Selbst die alte Kirchenuhr setzte t wieder in eine leichtere Gangart. Dieser Mensch hatte si> Spiritus verschafft — wer weiß von wo, vermutlich aus d< Hospitalabteilung — trank ihn und litt nun an Alkoholvergistunl Die Beamten, die den Schlafsaal revidierten, hatten ihn gesuch In einem Winkel fanden sie ihn auf. Taumelnd betrat er de Saal. Er kippte hin und her und seine nicht schlanke Gesta sah wie ein Häufchen Unglück aus. Wir zogen ihn aus m legten ihn in sein Bett. Aber der Spiritusteufel ließ ihm dar keine Ruhe. Er schimpfte wie ein Rohrspatz noch im Bett ut kroch wie ein Krebs wieder heraus, um seine Notdurft zu ve richten. Beim Aufsetzen auf den Kübel verlor er das Gleic gewicht und rutschte hinein. Einer von den Leuten, die nie weit von den Abortkübeln schliefen, half dem armen Teuj wieder aus seiner traurigen Lage, selbstredend unter dem G lachtet des gesamten Saalpersonals. Erst löschten sie feinet riesigen Durst; in großen Zügen trank er Wasser. Unter große Gelächter brachten wir ihn gleich einem kranken Affen zu Bett. Am andern Tag mußte er zum Direktor und erhielt seinen Verweis — wurde aber nicht bestraft.

In 14 Tagen ist Weihnachten. Es waren nicht viel Decfr" zu scheren und vor Neujahr sollte Inventur sein. Wir räumt« die Lager auf, zählten die Decken, wogen Garn und WoD Der Meister in der Fabrik beaufsichtigte uns. Die Natur hat sich verändert. Schnee lag im Terrain des Arbeitshauses m Frost war eingetreten. Wenn wir nach dem Lager mit eine Handwagen fuhren und kein Aufseher uus beobachtete, warf, wir uns wie Buben mit Schnee. Natürlich zog ich immer d> kürzesten; M. war so flink wie eine Katze und der Meister Hit sich seinen Bauch vor Lachen, wenn M. mich mit Schnee b schüttete.

M. war ein vorzüglicher Arbeiter und packte schwer z auch int Abzählen von Stückware kam ihm nicht so leicht ein
        
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