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Im Arbeitshaus Allerlei Arbeitshäusler

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

aufmerksam, daß M. wegen Diebstahls vorbestraft sei und unter „Polizeiaufsicht" stände.

Kein Wunder, er mußte seine besten Arbeitsplätze meiden, und ein Arbeiter heutiger Zeit kann sich bei kurzen Arbeitsperioden kein Geld zurücklegen oder selbst, wenn er auch wollte, gleich einer „Sparagnes" leben.

Dies ist eine Unmöglichkeit. Durch die Arbeitslosigkeit hat der Mensch ein unregelmäßiges Leben. Die Nichtachtung von Menschen macht solche Leute, wie M. war, verbissen. Sie müssen Kohldampf schieben (hungern), kein Mensch borgt ihnen etwas. Sie besuchen eben dann die „Kaschemmen", wo sie ihresgleichen finden. Da sprechen sie sich aus, und weil das Gefängnisleben, trotz seinen noch lange nicht menschen-würdigen Einrichtungen, immer noch besser ist als die für sie kalte Außenwelt, werden sie immer wieder rückfällig.

Kein Verbrecher, kein Mensch, der ein Verbrechen plant, will hinter die Mauern. Er will frei sein, bloß die Mittel zu seiner Existenz will er haben, und hat man die Mittel, das Geld. - dann kommt auch die Achtung der Mitmenschen. In den Kaschemmen wird dann beratschlagt, wie ein Ding gedreht wird. Da wird nicht lange gefackelt, mit dem äußersten Mut, manchmal mit Heldenmut, wird es ausgeführt, denn klappt dieses Ding, dann sind die Mittel vorhanden und reichen wieder für eine Periode. M. war Dachdecker von Beruf. Auf dieser Profession erhielt er nicht immer Arbeit. Er machte auch den Hilfsarbeiter im Baugewerbe, deckte alte Bauten ab, riß Steine und Balken los, also eine sehr schwere Arbeit, zumal mit einem durch Gefängnis- oder Zuchthauskost entmergelten Körper. Es ist eine Unmöglichkeit, für die Dauer solche schwere Arbeit zu verrichten, denn um den Arbeitsplatz zu halten, muß so ein Mann, wie M. war, mehr leisten als ehrliche Leute, die vielfach bloß von der Sonne Glück beschienen wurden. Die Polizei erwischte sie eben nicht, obgleich sie manchmal auf einer tieferen Sumpfplattform standen als M.
        
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