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Im Arbeitshaus Allerlei Arbeitshäusler

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Zehnte Woche.

75

Als die Decken fertig waren, schliffen wir das Messer; aber trotzdem blieb es bei der alten Leier.

Der Meister probierte selbst, aber es ging nicht besser. Wir drehten Rad und die Maschine murkste weiter.

Nach dem Mittagsessen ertönte die Glocke. Es war das Feuersignal, und wir, die bei der Löschmannschaft waren, zogen unsere Jacken an, setzten die Kappen auf, nahmen unser rotes Blechschild und stürmten hinaus. Dem Schneider rief ich zu, seine Kleiderbürste nicht zu vergessen. Der lachte und kam uns nach. Auf dem Hof stellten wir uns in zwei Reihen. Es war blinder Alarm gewesen. Auf Kommando marschierten wir in Eilschritt nach dem Spritzenhaus, holten den zwei-rädrigen Schlauchwagen und fuhren nach dem Hydranten. Andere fuhren mit den Leitern an. Der Hausvater zeigte uns, wie die Schläuche verbunden und am Hydranten angeschraubt wurden. Die andere Abteilung stellte die Leitern auf und nun begann die Spritzenprobe. Uebung mit dem Rettungs-sack brauchten wir nicht zu machen. So etwas brauchte die Anstalt nicht. Die Probe fiel schlecht aus. Es war meine erste und letzte in dieser Anstalt. Wir fuhren dann die Schläuche und Leitern wieder in das Spritzenhaus, marschierten wieder vor das Haus und gingen in unsere bestimmten Abteilungen, um weiter zu arbeiten. Der Schneider sagte mir noch: „Wenn es da mal brennt, da werden die Kunden auch nicht viel helfen können. Das war eine schlechte Probe!"

Ich sagte zu ihm: „Schneider, das ist alles nicht so schlimm. Es kommt nicht daraus an, wenn wir auch nicht löschen können. Die Hauptsache ist, wir sind beim Feuer. Uns kann es egal sein, ob diese Teufelsburg abbrennt, dann hat doch hier wenigstens unser Jammer ein Ende!"

„Du hast recht," sagte er. „Und morgen früh bringste meiner Alten was. Werde es heimlich fackeln."

Den anderen Morgen schob ich ein gefaltetes Papier seiner Frau verstohlen zu. Die Aufseherin war nicht in der Küche.

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