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Im Arbeitshaus Allerlei Arbeitshäusler

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

74 Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

Also blieb es beim Alten. Pust blieb. . .	.

Meine neunte Woche ging	zu Ende.	Es	war	der

29. September. Am Nachmittag bekamen wir außergewöhnlich noch einen Mann Zuwachs. Er kam von (Sommern, wenn ich nicht irre, und hatte wegen Kuppelei ein Jahr Arbeitshaus abzumachen. Mit M. war er bekannt von Gommern aus. Beide hatten im genannten Gefängnis in der Filzschuhabteilung gearbeitet. Er war ein Mensch mittlerer Statur, stramm gebaut, etwas beleibt, im 28. Lebensjahre. M. brachte er Kautabak mit, und auch jeder von uns anderen vier Mann erhielt von ihm ein Röllchen. Nach seinen Erzählungen war er Magdeburger und besserer Leute Kind. Er war mit seiner Prostituierten auf Helgoland und der Insel Rügen gewesen. Seine ihn unterhaltende Prostituierte wohnte in Berlin. Er hatte aber auch bei anderen Prostituierten den Beutelschneider gemacht und war durch einen Hurenvater in Nobben denunziert und durch Aussagen von Prostituierten der Kuppelet überführt worden. Seine Eltern haben ihn wegen dieser Sachen nicht verstoßen, denn während meiner Zeit hatte er dreimal Besuch von seiner Schwester, und hat von ihr auch ein paar wollene Hemden bekommen, — daß dieses Muttersöhnchen ja nicht frieren sollte. Der Aufseher bestimmte ihn zum Garndurch-ziehen an Rippenmatten, und er	stand nicht	weit von	den

jungen Menschen, mit denen die	drei Mann	den	Faselhans

spielten. Die späteren Tage war er auch, wenn die Luft rein war, öfters bei uns in der Deckenschererei.

* *

*

Eines Tages hatten wir drei Turnmatten zu scheren. M. ließ jede bald an fünfmal durch; die Maschine arbeitete sehr fehlerhaft, sodaß die Nachscherer schimpften, denn der Meister trieb. Die drei Matten sollten mit der ersten Post versandt werden. Barnack hatte die Order, sie sofort in Packleinwand zu packen.
        
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