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Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Fünfte Woche.

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die Lager aus der Maschine reißen, und ich lasse neue Rotgußlager gießen. Der Chef ist der Ueberzeugung, daß eine neue Maschine hier bloß ruiniert würde!" Der Meister sagte dies im ernsten Tone — und wir lachten.

M. riß die beiden Lager heraus und gab sie dem Meister. Wir spließteu zwei Tage Garn und sortierten Kokosenden, bis die neuen Lager gegossen waren.

Der Meister brachte sie am Morgen. Ein Korrigend, Maschinenschlosser von Beruf, feilte sie zurecht. Waren es doch die unteren Hälften. Die oberen waren nicht ausgescheuert, weil der schwere Cylinder auf den erneuerten Hälften ruhte.

Durch die neuen Lagerteile war die Maschine nun erst richtig aus der Richtung, und die Scheruug der Decken war geradezu miserabel. M. versuchte alles Mögliche — es ging nicht richtig. Wir schliffen die Messer dreimal in der Woche. Es half nichts, wir lieferten fehlerhaft geschorene Ware. Auch ein alter Cylinder wurde von dem Lager geholt, in eine Kiste gepackt und nach der Fabrik befördert, die neue Federn einzog. Auch dies ging nicht, als er kam und eingesetzt wurde. Dabei mußten wir schuften beim Drehen, weil die neuen Lager noch nicht eingelaufen waren. Es ging nicht und sollte doch gehen.

Der Werkmeister in Uniform kam und sagte barsch: „Ihr wollt bloß nicht! Ist es doch früher gegangen! Weshalb geht es bei Euch nicht?"

Der Herr Direktor kam, sah sich die Maschine an und sagte uns bald dasselbe. Wir mußten weiter schuften an dieser Höllenmaschine.

Als wir allein waren, sagte M.: „Gut, wir arbeiten weiter und lassen die Decken statt zweimal dreimal durch. Sind sie dann schlecht, so können sie die Handscherer nach-schneiden!"

So verging der Samstag in dieser Höllenabteilung.

Endlich kam der Samstag Abend, und ich freute mich; denn heute schlief der Wilhelmshavener Zimmermann in unserer
        
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