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Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

56 Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

Fünf Gestalten empfingen mich. Der Schlafsaalvorgesetzte, der an der Maschine arbeitete, einer, der die Arbeit an der Maschine lernte, und drei Mann, die an einem Drehbock standen und drehten. Eine Riemenscheibe leitete durch einen Riemen die Kraft auf die Maschine.

Wie ich in diesen Raum eintrat, faßten mich die Kerle zwischen die Beine. Unvorsichtigerweise verbat ich mir dies und sagte, wenn dies weiter so fortginge, würde ich mich beschweren. So fing der Bruch zwischen mir und diesen Leuten gleich an. Das beginnt ja gut, dachte ich abends im Bett. Ich hatte mich in ein Vrennesselterrain gesetzt.

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Nach dem Verlassen der Schlafsäle ging ich mit den Anderen, die auch zur Essentransport-Kolonne gehörten, nach der Frauenabteilung. Eine dicke Aufseherin wies uns für jede Abteilung die kupfernen Kübel an. Für unsere Abteilung waren wir vier Mann. Drei Mann trugen das Essen. Der letzte Mann trug einen Eimer mit heißem Wasser. Jede Woche wechselten wir im Tragen, so daß jeder alle vier Wochen den Eimer mit Wasser trug.

Nun kam ich jeden Tag auf den Hof und auch in den Vorraum der Küche. Mittags und abends stand das Essen außerhalb des Hofes der Weiberabteilung. Früh gingen wir Unter nicht so scharfer Beamtenkontrolle nach der Küche. Mittags und abends mußten sämtliche Essenträger sich im Hausflur aufstellen und nach dem Sammeln sämtlicher Träger kommandierte der Aufseher: „Marsch" und wir gingen je zwei Mann nach der Abholungsstelle.

Frühmorgens habe ich dann manche Korrigendin gesehen, manches junge, fesche Weib war darunter, aber auch manche häßliche, verschrumpelte Person. Der Hauptbestand mußten Prostituierte sein.

Nach der mich bis an den Hals ekelnden Singerei und Betetet aß ich und ging an meine neue Beschäftigung. Meine neuen Mitarbeiter hatten den Beschluß gefaßt, mir diese Be-
        
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