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Im Arbeitshaus Bei der Arbeit und am Feierabend

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Nun muß ich in Erinnerung bringen, daß der Aufseher zu dieser Zeit nicht in den drei Abteilungen war.

Mein Nebenmann im Rücken fing an: „Das ist gut, daß Du altes Unglückswurm wegkommst; nun hört doch der faule Geruch auf. Wenn Du unten auch so sch ... t, bei die Halberstädter und Magdeburger Gentlemens, da kriegst	keinen	guten

Tag!" Er gab mir die Hand und	lachte dazu.	Nach	dieser

Mitteilung kam wirklich der Beamte an meinen Platz und sagte: „Schuchardt, packen Sie Ihre Sachen zusammen und liefern Sie ab. Dann packen Sie Ihren Schrank aus und nehmen Ihr Zeug. Sie werden eine Etage tiefer einquartiert

zum Raddrehen!"

Den: Befehl gehorchend und meine Sachen auf den Arm nehmend, verließ ich innerlich froh diese Werkstatt.

Am Rad.

Ich folgte dem Aufseher eine	Treppe tiefer.	Wir	kamen

in einen gleich großen Raum. Es	standen auch	einige Web-

stühle darinnen. Im Hinteren Teile stand ein Bandwebstuhl, ein alter gebrechlicher Karren. In der Mitte war ein Bock zum Kettenwickeln angebracht. Es wurden die Ketten für die Läufer von großer Länge zugerichtet. Mein neuer Schrank hing in einem Durchgang zur Holzdrechslerei. Der Drechsler machte bloß Ersatzteile für Webstühle und schärfte die großen Scheren für den Abschnitt zu Faserdecken.

Beim Einpacken brachte mir der Aufseher ein rotes numeriertes Schild, ich war noch der Löschkolonne zugeteilt worden und erhielt einen zweiten Auftrag, nämlich jeden Morgen, Mittag und Abend das Essen zu holen. Dann wurde ich in den Raum eingeführt, in dem die Decken per Maschine nachgeschoren wurden. Der Raum war etwa 2*/a m breit und nicht ganz 6 m lang. Ein Fenster mit eisernen Traillen und grobsiebartigem Gitter, das war die einzige Tageslichtspenderin.
        
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