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Im Arbeitshaus Bei der Arbeit und am Feierabend

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

„Ja, ja, es ist kein Wunder, wenn mir das Sprechen schwer wird. Das viele verfluchte Einsperren und die gar nicht in mein Fach einschlagenden Arbeiten sind daran schuld, daß ich hier bin. Wenn man einmal auf der Klappe gewesen, will ja kein Fabrikant oder Krauter (Meister) uns Gesellen in Lohn oder Brot nehmen," sagte er und spielte an einem seiner Jackenknöpfe. . ..

„Wir sind zu bedauern und ich werde wohl dieselben traurigen Erfahrungen machen, als Du und mancher, welcher hier in dieses Haus hineingeraten ist", war meine Antwort.

Er legte seine Hand bedächtig auf meine Schulter und mit einem halb geistesabwesenden Blick und unheimlichen Kichern gab er mir Recht.

So ging auch dieser zweite Sonntag hin, nur mit einem feren Eindruck, ich lernte das „De Profundis“ mit Menschen ffer kennen und den Wunsch hatte ich heimlich: Wenn es och schon der 26. Sonntag wäre! . ..

Am Montag meldete mich der Aufseher dem Werkmeister, einem alten Beamten mit weißen Bartkoteletten ä la Pütt-kerntet, der kolossal an Beamtendünkel leiden mochte und manchmal traumverloren mit einer Hand an dem vergoldeten Degengriff spielte. Ich wurde in sein Zimmer geführt. Er redete mich hinter seinem Schreibtisch barsch an: „Der Aufseher hat gemeldet. Sie machen Ihr Pensum nicht und Ihre Arbeitsleistungen sind sehr schlecht. Was haben Sie darauf zu sagen?"

Frei erwiderte ich: „Herr Werkmeister, zu dieser Arbeit eigne ich mich nicht, denn ich bin kein Textilarbeiter. Und ich werde auch bei Strafe nicht das Pensum leisten können."

Mit den Worten entließ er mich: „Machen Sie Ihre Arbeit und leisten Sie Ihr Pensum, sonst werden Sie be-straft!" Ich hatte meinen ersten Verweis weg. So verging denn die zweite Woche mit Bangen; denn vor Strafe wollte ich mich hüten.
        
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