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Im Arbeitshaus Bei der Arbeit und am Feierabend

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

wurden, so waren die Handfeger doch fast borstenlos. Es sollte eben gespart werden. Mit Wasser wurden die Fußböden nicht aufgewischt. Und durch den Umgang teils sich verrückt stellender und teils halbverrückter Korrigenden wird schließlich ein Aufseher geistig abgespannt; er leidet mit der Zeit an Neurasthenie.

Barnack bekam ebenfalls einen Rüffel. Er hatte seine Arbeit ebenso minderwertig hergestellt wie ich und auch kein Pensum geliefert.

Als er seinem Platz zuschritt und ein Gesicht zog wie ein Junge, dem die Butter vom Brot fällt, rief ihm der Aufseher nach: „Ich werde Euch schon kriegen! Ihr wollt kein Pensum machen. — Ich garantiere, Ihr macht es schon. Wir haben schon manchen kuriert, Ihr Tagediebe!"

Er meinte mich und Barnack.

In der Mittagsstunde, als der Aufseher den Saal verließ, kamen der Vorarbeiter und andere Korrigenden und versuchten uns Angst zu machen:

„Paßt mal auf, Schuchardt und Barnack, wenn Ihr so schlecht weiter schinakelt (arbeitet) und macht kein Pensum, gibt es Kostabzug oder Ihr werdet eingespunnt! Da gibt es bloß trocken Hanf (Brot) und Wasser und Ihr könnt dann Platte auf der Pritsche reißen!"

Ich war vorsichtig genug und erwiderte nichts darauf.

Ein Zimmermann aus Magdeburg, ein untersetzter Mensch, den ich im Tränensberg kennen lernte und der eine Woche früher hier ankam, dreiviertel Jemmchen hatte und die Tage auskalkulierte, wie lange er hier war, sagte: Zweihundert» dreiundsiebzig Tage seien kein Katzendreck. Die seien wohl schmal — aber verflucht lang. Er brachte aus Ulk zwei Decken, legte diese oben auf meinen Webbock und sprach: „Siehste, Du dummer Hund, da hast zwei Decken und die verrechnest Du, da hast Dein Pensum!" —

Die Decken hatte er Einem weggenommen aus Spaß, um sich und den Anderen ein Gaudium zu machen. Selbst-
        
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