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Im Arbeitshaus Bei der Arbeit und am Feierabend

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

46 Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

Bei der Arbeit und am Feierabend.

Den Montag lernte mich der Vorarbeiter an, eine Kette zu ziehen an meinem Webbock, und ich sollte Fußkratzer weben.

Wie schon gesagt, ich lernte sehr schwer, weil ich zu	dieser	i

Arbeit keine Lust hatte. Das Weben gefiel mir nicht, diese langweilige Arbeit. Ich bewegte wohl meine Hände, machte es teils verkehrt und bekam doch nichts fertig.

So verging mir die erste, qualvolle Woche.

* *

*

Eines Tages	in	der	zweiten Woche	lieferte ich	die

ersten zwei Decken	ab	und der Werkmeister, der von	der

Schönebecker Firma eingestellt war, sonst ein guter Mann, gab mir einen scharfen Rüffel und sagte:

„Schuchardt, Sie machen die Decken sehr schlecht und verarbeiten das Material zu miserabel und ungleichmäßig; bei Ihrer Arbeit ist die Verknüpfung zu lose. Wenn die Decken unter die Schermaschine kommen, gehen sie zum Teufel. Auch arbeiten Sie viel zu langsam, Sie müssen mehr —	mehr	f

liefern."

Der Aufseher in dieser Abteilung, ein Mann von etwa vierzig Jahren, gab mir auch einen Anschnauzer:

„Sie wollen bloß nicht arbeiten! Wenn Sie nicht schneller arbeiten — und liefern	Ihr	Pensum nicht,	dann werde	ich

Sie melden. Wenn	die	anderen ihr Pensum	leisten und meist

Ueberpensum machen, dann können Sie es auch!"

Ich gab zur Antwort: „Herr Aufseher, ich habe als Textilarbeiter noch nie gearbeitet, und zu solcher Arbeit eigne ich mich auch nicht. Es ist mir übrigens ganz gleich, ob Sie mich melden oder nicht." —	)

„Gehen Sie an Ihren Platz und arbeiten Sie weiter," war seine barsche Antwort.

Dieser Aufseher war bei uns Korrigenden nicht beliebt.

Ein Wunder ist es nicht, den ganzen^Tag in einer Dunstund Staubatmosphäre stecken. Wenn auch die Säle jeden Tag zweimal ausgefegt und am Tage die Fenster geöffnet .
        
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