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Im Arbeitshaus Antritt und erste Woche

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Antritt und erste Woche.

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wurde mit einer Marke versehen und zugebunden. Jeder born neuen Zuwachs erhielt ein Hemd, ein Paar Strümpfe, einen grauen Arbeitsanzug, alles grauer, fester Stoff, Hosen, kurze Jacke und Weste, mit einer schwarzen Kappe. Eine schwarze Hose und Jacke mit Kamm, einen zinnernen Eßnapf und Löffel, ein Paar Lederschlappen und ein Paar Schuhe und Schmutzbürste bekamen wir in den Arm gelegt. Da es Essenszeit war, erhielten wir unser Essen in dem Baderaum. Ein Aufseher kam bald nach dem Essen, brachte mich und Barnack in die Kokosweberei, ein Gebäude vis-ä-vis born Baderaum liegend und eine Treppe hoch, und wies uns beiden einen gemeinschaftlichen Schrank an. Mein Kollege und ich mußten unsere Hose und Jacke vorschriftsmäßig zusammenfalten und hineinlegen. Die Schuhe mußten wir auf den kleinen Hängeschrank stellen. Der Löffel wurde innen an der Tür in einen Lederanschlag gesteckt. Den Napf gaben wir an den Kalfaktor, der diesen Raum zu bedienen hatte und ihn zu den anderen setzte. Der Aufseher zeigte uns in barschen Worten, in welchem Zustand wir unseren Schrank und unsere Sachen erhalten sollten. Wir erhielten einen Schlüssel zu unserer Hausapotheke, denn größer war der Schrank nicht.

Nachdem wurden wir zum Direktor geholt. Er war ein mittelgroßer Mann und fragte: „Wie heißen Sie und sind Sie krank?"

Ich sagte meinen Namen und erwiderte lakonisch: „In so einem Hause, Herr Direktor, darf man ja doch nicht krank sein!"

Mit strengen Blicken entließ mich Herr v. B. Ich mußte warten, bis bei den anderen die erste Audienz vorüber war. Dann brachte uns ein alter Aufseher zu dem Sekretär, wegen genauerer Informierung von unseren Papieren. Als dies erledigt, mußten wir vier Mann vortreten und die Arbeitshaus-orduung wurde uns von einem Schreiber — auch Winden-bruder (Arbeitshäusler) — vorgelesen. Natürlich mit einem Pathos, als wenn er der Leiter dieser Anstalt selbst sei.
        
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