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Im Arbeitshaus Antritt und erste Woche

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Im ärfietfsHaus. 
Antritt und erste Woche. 
Ein alter Mann hatte uns eingelassen und schloß mit 
bedächtiger Miene wieder das Schloß. Vor uns lagen die 
Anstaltsgebäude und die Kirche. An einem Gebäude rankte 
sich Wein bis zum zweiten Stock. Vor uns lagen Garten¬ 
anlagen mit gepflegtem Nasen. Viele Gedanken über dieses 
gepflegte Stück Erde konnte ich nicht anstellen. Ein alter rot¬ 
nasiger Beamter forderte uns in rauhen Worten auf. zu folgen. 
Die Transporteure gingen nach den Geschäftsräumlichkeiten, 
gaben unsere Papiere ab und warteten auf die Ordre, ob 
wir „rein" seien. Wenn dieses nicht der Fall war, mußte 
das Polizeigefängnis die Kosten der Kleiderreinigung tragen. 
Der Aufseher brachte uns in ein Seitengebäude, in den Anstalts- 
baderanm, wo wir unseren Corpus nochmals abspülten. Ein 
Barbier in grauer Anstaltskleidung schnitt uns das Haar mit 
einer Haarschneidemaschine kurz, fast bis auf die Haut, 
und der Schnurrbart fiel. Dann rasierte er uns. Doch vorher 
hatten wir uns der Oberkleider entledigt. Ein Anderer in 
Anstaltskleidung suchte unsere Stauden (Hemden) nach „deutschen 
Reichskäfern" (Läusen) ab. Mit nacktem Oberkörper wurden 
wir inzwischen rasiert. Als meines Kollegen Barnack Schnurr- 
bart fiel, standen ihm die Tränen in den Augen. Nach dieser 
Prozedur mußten wir baden in alten hölzernen Kübeln, oval 
lang, wie Brühbottiche bei einem Schweinemetzger geformt. 
Unsere Kleidung steckte ein Korrigend in einen Sack, dieser
        
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