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Im Gefängnis

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Im Gefängnis.

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er hätte den Beschützer gemacht, selbstredend hätte die respektable Dirne nicht unter Kontrolle gestanden. Die feinsten Cafös und Restaurants hätten sie besucht in Berlin. Wenn das Fräulein nun „Einen" gekapert hatte, bekam der die Adresse und das Mädchen ging mit dem Alten zur Straßenbahn, fuhr heim und der neue Freier fuhr allein nach der angegebenen Wohnung. Das schöne Frauenzimmer hielt sich einigermaßen anständig, kleidete sich niemals auffällig, aber sehr nobel. Der Alte versicherte, er hätte die schönsten Tage verlebt bei dieser Dirne. Der Herrenbesuch konnte nicht auffallen, weil er seinen Namen angab, und die Herren besuchten dann ihn

und nicht die Dirne.

Wir uzten natürlich den Alten: „Wenn es Dir so gut

gegangen ist, weshalb bist Du denn hier?"

„Ja, wenn die Sittenpolizei meine Dirne nicht erwischt hätte in einem feinen Hotel, wo ein reicher Schlaks seine Wollust an dem Mädchen kühlte und den hohen Preis dieser Nacht ungern bezahlte, und der sie nicht aus Rache bei der Sittenpolizei denunziert hätte, wäre es heute noch so. Wie mein Mädchen früh das Hotel verließ, stand ein Sittenkommissar vor dem Hotel. Mit den Worten: „Erna, kommen Sie mal mit!" brachte sie der Sittenpolizist zur nächsten Droschke und es ging hinaus nach Moabit, wo sie dann eingespunnt und wegen Erpressung und gewerbsmäßiger Unzucht verknackst wurde." So erzählte der Alte. Schweinigeln konnte der alte Knopf riesig. Als junger Kerl von 18 Jahren sei er in Charlottenburg in ein feines Hans gekommen im dritten Stock. Da hätte auf dem Schild ein adeliger Name gestanden. Er sei natürlich in dufter Schale gewesen und habe geklingelt; ein hübsches Mädchen von 18 Jahren habe geöffnet mit der Frage, was er wünsche! „Mein Fräulein, ich habe kein Geld und hungrig bin ich auch, bitte geben Sie mir etwas zu essen!" Das hübsche Kind hätte ihm geöffnet und ihn eingeladen, in ihr Zimmer zu treten. Sie hätte ihm ein feines Frühstück mit Wein vorgesetzt und sich mit ihm unterhalten und nach
        
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