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Im Gefängnis

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

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Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus. 
schon, ehe es aus der Schule kommt, verführen und dann ist 
die Dirne fertig. Das haben wir dem lieben Gott dann zu 
verdanken. Hab' ich nicht recht, Schneider?" — 
Er gab mir auch die Hand darauf. —  
Mit Kartoffelschäler: waren wir fertig. Die Kartoffeln 
brachten wir, je zwei Mann an einem Behälter, in die Küche. 
Einer von den Küchenarbeitern — auch Gefangene — gab 
uns ein Stück Brot. Wir versteckten es in der Jacke, damit 
es der Aufseher nicht sah. Den Kartoffelabfall und die 
Schalen brachten wir auf den Hof in einen Verschlag, welcher 
jeden Tag von Leuten abgeholt wurde. So war es auch mit 
den anderen Speiseabfällen. 
Die Aufseher waren nicht streng gegen uns, mancher gute 
Mann war darunter. Was sollten denn die Leute bei dem 
Gehalt, den sie bekamen, auch anfangen? Da konnten sie auch 
nicht fett dabei werden. Wie manchmal sind wir mittags 
nach dem Essen eingeschlafen und ein Aufseher schloß die Türe 
auf und sah, daß die Arbeit nicht mehr vorgeschritten war. 
Doch es wurde nicht geschimpft. 
Die Zeit in den Wochentagen floß für uns schnell dahin. 
Jeder Tag brachte Neues und wir waren manchmal bis über 
20 Mann in einer Zelle. Es kamen welche, und andere 
wurden entlassen oder wurden nach ihrer Haftstrafe wieder 
nach dem Polizeipräsidium gebracht, um bis zum Mittwoch 
zu warten, dem dazumaligen Transporttage nach dem Orte 
der Ueberweisung an die Landespolizei. 
Abends im Schlassaal war die Kontrolle auch nicht scharf. 
Jeder Aufseher war froh, wenn der für ihn langweilige Tag 
zu Ende war. Man zählte uns, schloß den Schlafsaal ab und 
wir erzählten uns aus vergangenen Tagen. Daß dabei auch 
mancher eine pikante Geschichte erzählte oder auch vorlog, ist 
selbstverständlich. So erzählte uns ein Mann von fünfzig 
Jahren, er hätte schon den Papa für ein „Freudenmädchen" 
gemacht. Das hübsche Kind hätte ihn elegant eingepuppt und
	        
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