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Im Gefängnis

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Großstadt-Dokuinente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

Neustadt am Nikolai-Kirchplatz. Da sind Kartoffeln abgeliefert worden, das war die reine Affenschande, und die sind auch in der Küche verarbeitet worden. Retour kamen sie nicht und ich war bald vierzehn Tage da. Wer gut schmiert, der gut fährt. Für den gemeinen Mann ist alles gut genug, und wie es beim Militär zugeht, so ist es auch beim Gefängniswesen."

„Die Beamten brauchen ja unser Futter nicht zu essen, warf ich ein.

Dann brachen wir von dem Thema ab und foppten

den Schneider:

„Na, alter Mückenfett, wie lange war denn bic Schickse

iit Eurer ehrenwerten Gesellschaft und was hast denn gemacht, daß Deine Alte so rabiat geworden ist?"

„Ja, das möchtet Ihr gern wissen! Von mir könnt Ihr

aber nichts erfahren."	,	,

„Na, wieviel Bienenzucht (Lausezucht) hast denn m Deme fahrende Lausekommode angelegt! Da wird wohl die Polente (Polizei) ihren Dampf gehabt haben, um das Ungeziefer richtig auszubeizen. Du und Deine große, heilige Familie, Ihr müßt ja erst vollständig eingepuppt (eingekleidet) werden, wenn Du und Dein alter Drachen die schöne Sommerfnsche Großsalze betreten. Was ist denn nun aus Deinem kleinen „Mächen" geworden? Die werden sie wohl bei eine Engelmacherin in Pflege gegeben haben, und Deine Hundetöle, die wird bei Rostenbecken schon als „falsches Karnickel" von

Proleten verzehrt sein!"

.Was wollt Ihr denn," erwiderte der Schneider leise,

aber seine Stimme zitterte vor Wut, „ich komme nicht nach Salze, denn ich habe immer gearbeitet, habe Kiepen geflickt und alte Sachen repariert; aber Du kommst nach Salze, Dir bringen sie die Flötentöne bei, mir nicht!" Dabei zielte der

Schneider auf mich.

Wir schälten weiter, denn wir hörten Trme. Em Ausseher öffnete die Tür und wir gingen nach der Küche, um
        
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