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Im Gefängnis

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Monate Arbeitshaus.

„Weshalb bist Du denn hier?" „Ich habe nicht getalft!" war seine Antwort. Wir uzten ihn und sagten: „Das sagt Jeder, wer hier reinkommt; da sind dann alle so gut und

trüben kein Wasser."

Ein Anderer sagte:	„Schneider,	wo hast Du denn

Deinen Familienwagen gelassen?"

Da wurde er wild und sagte: „Da müßt >zhr aus oa^> Präsidium gehen, die wissen schon, wo er ist!" Dann fing er an zu erzählen: „Ostern bin ich nach Sudenbnrg gekommen, mit meiner Frau, mit meinem kleinen Mädchen, ein Kind von fünf Jahren, einem Mädchen von 20 Jahren und meinem Hund. Beim Kristallpalast trafen wir junge Leute und die animierten uns, in den Garten zu gehen, und traktierten uns mit Bier. Ich soff wie ein Bürstenbinder. Meine Frau war am Tage schon eifersüchtig und durch den Viergenuß fing meine Alte Krach mit der Schickse (Mädchen) an. Die jungen Kerle freuten sich darüber und bezahlten noch mehr Vier und Schnaps für uns. Wir betrauten uns so, daß ich meiner Frau eine ins Gesicht gab, weil sie das Keifern nicht lassen konnte und mich einen Hurenkerl nannte. Wir verließen den Garten und draußen standen Leute an unserem Wagen. Ich spannte meinen Hund ein und mein kleines Mädchen legte ich in den Wagen. Es sollte schlafen. Dabei machte meine Alte weiter Krach mit mir und mit der Schickse. Wir wollten noch weiter fahren, doch es kam anders. Meine Alte hatte durch ihren Skandal eine Menschenmenge herangelockt. Ein Polizist kam und wir wurden verhaftet! Nun bin ich hier und meine Frau ist in der Frauenabteilung eingesperrt!"

„Wo ist denn nun das Mädchen von zwanzig Jahren und

Deine Kleine?"

„Das Mädchen ist auch in der Frauenabteilung gewesen

wurde ckber am dritten Tage von ihren Eltern abgeholt, dt

haben gleich Kleider mitgebracht, daß sie sich hat neu eir

puppen können, und mein Töchterchen haben sie in Pflec

gegeben!"
        
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