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Im Gefängnis

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Im Gefängnis.

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wch der Reihenfolge nach besorgt. Ebenso ging das Kübeln 1er Nachteimer der Reihe nach, heute diese und morgen die andere 'lbteilung. So genau, wie angegeben, wurde auch mittags tnd abends im Arbeitssaal beim Kübeln Verfahren.

Schlaf- und Arbeitssaal lagen in einer Fluchtlinie.

In der Woche wurde keine Andacht gehalten. Doch Sonntags mußten wir die Kirche besuchen, mir war es jedes Mal ein Ekel. Wir mußten, frei kam Keiner davon. Ein Gerichtssaal war dazu eingerichtet. Die nötigen Bänke waren darin, sowie ein Harmonium. Ein gedeckter Tisch stellte den Altar dar. Die	Predigt	hielt	ein Pfarrer; wenn	wir sangen, beobachteten	die Schließer	uns, ob auch jeder	sein Gesangbuch

in der Hand aufgeschlagen hielt. Ich sang nicht mit. Damit der Gesang kräftig durchdrang, sangen die Aufseher und die alten Bekannten von dem Gefängnis am lautesten. Was der Pfarrer predigte, darauf habe ich keine Acht gehabt, weil ich die Kirche hasse und jede Heuchelei mir zuwider ist. Nach der Kirche sagten meine Kollegen: „Heute hat der Amerikaner wieder nicht mitgesungen, das muß aber ein ganz gottloser Mensch sein!" und kicherten sich eins. Mancher sagte: „Verdenken kann ich es ihm gar nicht, denn was ist Gott? Was ist ein Pfarrer? Der ist auch bloß ein Mensch, weil er gut bezahlt wird, und denkt, weil es ihm gut geht, geht es Anderen auch wohl!"

Sonntags gab es dann Bücher, meistens Traktätchen,

oder fromme Emilsgeschichten, dann auch den Stöckerschen

Arbeiterfreund, das evangelische Sonntagsblatt usw. Aus

langer Weile habe	auch was gelesen, geistig	verdauen konnte

ich dieses	Gemüse	nicht.	In jedem Buch,	in jedem Blatt,

klang der Hohn heraus: „Jesus nimmt die Sünder an!"

lten war ein Buch dabei, was etwas Wissenschaftliches

andelte. Der Sonntag war jedes Mal ein Greuel iür mich.

An einem Morgen mußten wir Kartoffeln schälen, vier tntt und ich. Ein Schneider war dabei. Wir frugen ihn:
        
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