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Meine Verhaftung

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Meine Verhaftung.	11

„Ich habe am Petriförder gebettelt, ein Putz hat mich erwischt und jetzt bin ich hier!"

„Du bist ja noch in dufter Schale, wieviel Mal haben sie Dir denn gekappt?"

Meine Antwort war: „Siebenmal habe ich die Hafträume verschiedener Gefängnisse absolviert."

„Ja, da wirste Wohl Winde bekommen", war sein Schlußwort; er drehte sich auf die Seite und versuchte zu schlafen.

Man steckte von draußen einen Schlüssel in unsere Zelle. Ein Polizeiinspektor trat ein, frug mich, ob ich Ernst Schuchardt aus Gotha wäre.

Die Frage bejahte ich.

„Sie geben doch zu, gebettelt zu haben?"

Ich erwiderte: „Was nützt das Leugnen, der Schutzmann hat ja eine Frau als Zeugin!"

„Wieviel Mal sind Sie denn schon vorbestraft?"

„Die erste Strafe erhielt ich 1900.	Siebenmal bin ich

wegen Bettelns vorbestraft!" sagte ich.

„Na, dann werden Sie wahrscheinlich Ueberweisung an die Landespolizei erhalten!"

Der alte Mann bekam sein Donnerwetter vom Schließer, weil er die Nacht im Delirium in der Zelle getobt hatte. Der Polizeiinspektor ging. Wir erhielten jeder ein Stück Brot. Die Türe wurde zugeschlagen und der Riegel vorgeschoben.

Zwei Stunden hatte ich dagesessen und gegrübelt über diese göttliche Weltordnung, welche es den Seinen bloß im Schlafe gibt, der übrige Teil kann sich für Hungerlöhne schier zu Tode quälen oder in Arbeitshäusern zu Grunde gehen! Ja, es war zum Verzweifeln, keine ehrliche Arbeit und wenn, dann noch schlechter abgelohnte, als eine Dirne . . .

Lebt eine Dirne nicht besser als die Arbeiter, welche 10 bis 12 Stunden ihre Arbeitskraft für den Moloch Kapital opfern müssen für einen Hungerlohn?--------------------

Was hatte ich begangen!
        
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