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Im Arbeitshaus Weihnachten

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

100 Großstadt-Dokumente Bd. 33. Sechs Atonale Arbeitshaus.

Am 25. Dezember gab es ein Stück Fleisch. Bei mir seit fünf Monaten das erste viertel Pfund. Wir aßen es bedächtig. Ein Glaser saß neben mir, der hatte zwei Jahre Ueberwersung. Er zog Ketten zu Läuferdecken.	Dieser	aß sem Fleisch so bedächtig, als wenn er den Genuß	doppelt	genießen wollte.	Ich

lachte darüber und von ihm fiel mir etwas ein.

Es war vor zwei Wochen am Sonntag passiert. Es gab Weißkohl und Kartoffeln. In	meinem	Essen fand ich	eme

Schnecke — von den schwarzen,	die kein	Gehäuse haben.	>Zcy

aeiqte ihm das gekochte Tierchen. Er nahm es von mir und ich sah, wie es bedächtig hinter seinen defekten Zähnen ver-

^ Wir hatten drei Feiertage. Den dritten Feiertag füllte der Sonntag aus. Nach den Feiertagen machten wir Jnventm-arbeit. So schloß mit der Weihnachtswoche die 22. Woche meiner Strafe.

* *

*

Mein Freund, der Wilhelmshavener Zimmermann, den ich zum letzten Mal Weihnachten traf, nahm am dritten F^ertag Abschied von mir. Wir wünschten uns beide Gluck und daß wir uns draußen einmal treffen würden. Er kam dre, Wochen früher los als ich und ließ auch feinen Schnurrbart stehen, ffir war einer meiner ehrlichsten Freunde und Leidensgenossen in dieser Anstalt.

Jahresschluß.

Am Donnerstag abend mußten wir wieder in die Kirche. Es war Silvester, der letzte Tag des Jahres 1903.

Das Jahr sei nun bald zu Ende — ermähnte uns der Pfarrer, hauptsächlich jene, die bald wieder entlassen wurden — wir sollten ein neues Leben beginnen. — Es war zu rromsch,

als ob es bloß an uns lag! . .	v

Nach der Kirche gingen wir in unsere -^chlaflale. Beamten zählten uns ab und verschlossen die Türe. An d
        
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