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Im Arbeitshaus Weihnachten

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Weihnachten.

Ohren, als wenn Teufel hineinschrieen: „Und den Menschen ein Wohlgefallen."

Nach dem Gottesdienst wurden wir mit Warmbier, einem Präsent des Herrn Pfarrers, traktiert. Ein paar Tropfen trank ich, den Rest gab ich dem langen, steifen Schneider.

Die Korrigenden hatten mit Transparenten Arbeits- und Schlafsäle mit folgenden Sätzen auf durchscheinendem roten Papier geschmückt, wie: „O du selige, o du fröhliche gnaden-bringende Weihnachtszeit!" oder: „Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen!" u. s. w.

Die Aufseher begleiteten uns nach der: Schlafsälen, zählten uns, schlössen ab und entfernten sich schnell. Sie wollten ja auch Weihnachten im Kreise ihrer Familie feiern.

Die Schilderungen von Dostojewski) „Aus einem Totenhause", dem Ostrog, sind nicht so schmachvoll erniedrigend, wie meine Erlebnisse dieses Weihnachtsfestes in Deutsch-Sibirien. Im Ostrog hatten doch die Sträflinge noch ein bischen Bewegungsrecht. Diese erhielten doch noch ihren Weihnachtskuchen, ihre Spanferkel u. s. w., Gutes und Liebes von ihren Bekannten und Verwandten, und von den Einwohnern des Ortes große und kleine Wohltaten. Dies stimmt doch auf alle Fälle zu einem Fest der Liebe.

Waren wir zu schlecht, um einen Anspruch auf Festesfreuden zu haben?

Mit richten! denn nicht ein einziger Mörder war unter uns. In jenem Ostrog aber war durch Geben und Nehmen, durch die vereinigte gegenseitige Liebe Weihnachten ein Fest der Liebe.

Was war es für uns? Der letzte Wischer, der mir kalt den letzten ersterbenden Funken von Glauben an einen Heiland nahm.

Ja, im Ostrog, da holten sich die Sträflinge jedes Jahr neuen rttTm.Titm ims ww durch die gegenseitige Liebe und das

ritr? Ein verbittertes Gemüt und die he Religion — eine leere Phrase sei.
        
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