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Meine Verhaftung

Full text: Sechs Monate Arbeitshaus / Schuchardt, Ernst

Seine lerftaftwig.

Es war während der Wahlkampagne in Magdeburg im Jahre 1903. Der Haupttag der Wahlen lag hinter uns. Der Reichstagskandidat der Arbeiterpartei Wilhelm Pfannkuch erhielt wohl die meisten Stimmen, aber nicht genügend, um seine Gegner abzutrumpfen, — deshalb war in 14 Tagen die Stichwahl.

Meine Wohnung lag in der „Kleinen Klosterstraße" im Hinterhaus eine Treppe hoch bei einer Frau Sch., übrigens eine armselige Schlafstelle.

Parterre vorn in diesem Hause war ein Restaurant. Im Flur linker Seite war eine große hölzerne Tafel. Auf dieser Tafel prangten die Namen der hiesigen Gewerkschaften, die Namen der leitenden Personen und ihrer Kassierer. Im Hofe links lag die „Fremdenstube", ein Rast- und Ruhepunkt für reisende Arbeiter und für hiesige Existenzlose, welche kein Logis, keine Schlafstelle bekommen konnten. Es war ein dumpfer, mit Rauch und Alkoholdunst geschwängerter Raum. Der Boden sah aus, als ob er seit der Legung der Dielenbretter niemals mit Wasser getauft wurde. Ein alter Mann, schon viel born Elend und der Sorge herumgeworfen, führte die Bedienung, er spielte den Vizeboß (Hausdiener). Am Mge war es so einigermaßen ruhig und auch dieser Raum nicht stark überfüllt. Kam aber der Abend, dann ging es laut zu. Es
        
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