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VI. Das Ergebnis

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

74 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

tagssitzung vom 24. April 1907 erklärt hat, er wolle seinen Offizieren Unterricht im Wechselrechte geben lassen, so ist damit herzlich wenig getan. Jeder Offizier weiß, daß, wenn er einen Wechsel ausstellt oder seinen Namen aus einen solchen setzt, er auch den Wechsel bezahlen mutz. Es wäre viel richtiger, durch die Regimentskommandeure den Offizieren überhaupt verbieten zu lassen, Wechsel zu unterschreiben. Die Offiziere außerhalb des Wechselrechtes zu stellen, würde ein Armutszeugnis bedeuten. Allein es ist ein großer Unterschied zwischen einem Wechsel und einem Schuldschein. Die Zirkulationssähigkeit beider Schuldurkunden ist wesentlich voneinander verschieden. Ein kleines Heilmittel gegen die offenbaren Adelstände, wie sie sich auch in letzter Zeit beim Militär-Reit-Institut in Hannover gezeigt haben, wäre zum mindesten das vorerwähnte Verbot der Regimentskommandeure an ihre Offiziere, ohne ausdrückliche Genehmigung des Kommandeurs einen Wechsel ausstellen zu dürfen. — Wie im übrigen die Mittel zur Bekämpfung des Wuchers zu finden sind, ist sehr schwer zu sagen.

Mit Recht sagt Lexis a. a. O. S. 786:

„Verbot und Bestrafung des Wuchers werden immer hauptsächlich nur die Bedeutung einer moralischen Genugtuung für die öffentliche Meinung besitzen, aber das tief sitzende Llbel niemals heilen können."

Mit allen gesetzlichen Abwehrmitteln gegen den Wucher ist nicht viel auszurichten, wenn nicht die wirtschaftlichen Wurzeln desselben abgegraben werden. Die Mittel hierfür sind allerdings schwierig. Ob Genossenschaftswesen usw. hier Heilung oder Linderung bringen können, wird schwer zu sagen sein. Der Wucher war und ist seit langem eine Pestbeule an jedem wirtschaftlichen Körper. Es wird sich nur über den Grad und über die Häufigkeit der wucherischen Ausbeutung selbst
        
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