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VI. Das Ergebnis

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

Was nun das Ergebnis der vorbezeichneten Betrachtungen anlangt, so läßt sich wohl sagen, was zu Eingang bei der Ausführung über den wirtschaftlichen Charakter des Wuchers gesagt wurde, daß der Wucher selbst äußerst schwer zu begrenzen, zu ersassen, zu bestrafen und auszurotten ist. Es ist eigentlich merkwürdig, daß das wirtschaftlich stärkste Land England ohne Wucher-gesetzgebung auskommt. Es mag wohl die Bemerkung gestattet sein, daß der junge englische Lord und Gentleman in wirtschaftlicher und kaufmännischer Erziehung der „goldenen" Jugend Deutschlands weit überlegen ist. Es scheint auch in den breiteren Volksschichten Englands und Amerikas mehr wirtschaftliche Selbständigkeit zu bestehen als bei uns in Deutschland. Es ist immerhin merkwürdig, daß man den Wucher bestraft und eigentlich den bodenlos leichtsinnigen und verschwenderischen Bewucherten ohne Strafe läßt. Vom moralischen Standpunkte aus und damit auch, naherückend an die strafrechtliche Verantwortlichkeit, ist zweifellos ein so grenzenloser Leichtsinn, wie er in den vorausgesührten Fällen bezeichnet wurde, ebenso verwerflich, wie der Wucher selbst. Es müßte denn schon teilweise den jungen Herren auch bei solch unüberlegter, leichtsinniger Wirtschaft selbst mit Strafe aus den Rücken gestiegen werden. Es scheint aber, daß die deutsche Herrenmoral sich hierzu nicht gerne aufschwingen will. Im Gegenteil, wir sehen, daß eigentlich Schnldenmachen und unüberlegte Hauswirtschaft im deutschen Gesellschastsleben [vielfach gar keinen Eintrag tut. — Wenn der preußische Kriegsminister in der Reichs-
        
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