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V. Die Unterhändler

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

V. Die Unterhändler.

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aufenthalte, eine reiche Frau zu erobern, weiter fortzusetzen und bat wieder seinerseits den Agenten, ihm ein paar tausend Mark zu besorgen; der Agent vermochte aber nicht, das Darlehn für den jungen Mann trotz seines Namens und seiner Eleganz aufzubringen.

Im Sommer 1902 lernte dieser während eines der Aufenthalte in einem bayerischen Gebirgsorte eine Priva-tiere aus Mitteldeutschland und deren Tochter, die damalige Gattin eines preußischen Hauptmanns kennen. Es gelang ihm, durch sein bestechendes Auftreten das Vertrauen der beiden Damen zu erringen, besonders der älteren Dame, weil der junge Mann deren verstorbenem Sohne, den die Dame abgöttisch geliebt hatte, sehr ähnlich sah; er sprach davon, daß seine Großmutter viel Vermögen besitze und ebenso sein Oheim einer der bekanntesten bayerischen Industriellen sei.

Als der vorgenannte Agent den jungen Adeligen in dem Gebirgsorte aufsuchte, stellte er denselben seinen Damen als seinen Rechtsbeistand vor; durch sein bestechendes Auftreten, sowie durch den guten Klang des Namens wurden die beiden Damen so für den jungen Mann eingenommen, daß sie, ohne Erkundigungen darüber einzuziehen, ihm bald blindlings vertrauten; dazu kam, daß die Tochter zu ihm eine Neigung gefaßt und seinem Versprechen, er werde sie heiraten, wenn sie von ihrem damaligen Manne geschieden sei, glaubte; das Vertrauen der beiden Damen war so groß, daß sie ihm ihr Vermögen vollständig ausantworteten und anvertrauten. Die Mutter besaß ein Vermögen von mehr als 100 000 M. in Wertpapieren, welche bei einer mitteldeutschen Bank hinterlegt waren, die Tochter besaß gleichfalls ein Vermögen von ca. 50 000 M.; auf dieses Vermögen hatte es der junge Kavalier abgesehen; er sprach den beiden Damen gegenüber zunächst davon, daß er in einem Bankgeschäfte tätig gewesen sei
        
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