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V. Die Unterhändler

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

V. Die Unterhändler.

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Adonis von Gestalt. Bereits im Zahre 1870 war der Vater wegen Betrugs mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden, im Iahre 1874 heiratete er eine Gewehr-fabrikantentochter aus Österreich, lebt aber seit Jahren von seiner Frau getrennt. Im Jahre 1900 war er vorübergehend Redakteur für den Anzeigenteil eines Salonblattes, später hatte er eine Agentur von Versicherungsgesellschaften inne; seit einigen Jahren befaßte er sich mit der Vermittlung von allen möglichen Geschäften.

Da er selbst mit Geldmännern weniger in Fühlung kam, so bediente er sich wieder der Hilfe anderer Unterhändler; er schlug den Unterhändlern stets die Geschäfte so vor: halb Waren, halb Wert mit entsprechenden Prozentsätzen. Wegen Erpressung wurde derselbe gleichfalls mit einer Gefängnisstrafe beahndet. Er wurde von seinen Angehörigen gemieden und schrieb selbst in einem Briefe an seinen Sohn:

„Ich wende mich schriftlich an Dich, da ich Dich nicht in Verlegenheit bringen will, mit mir zu verkehren; denn Du hast Dich ja deutlich genug ausgedrückt, indem Du sagtest, Dein Papa ist so heruntergekommen, daß Du nicht mehr ntit ihm verkehren kannst; daß Du unter solchen Umständen Dich nicht reißest, mit mir zu verkehren, finde ich begreiflich; doch fremden Menschen brauchst Du es nicht zu sagen; ich fühle es ja ohnehin schon längst, daß Du und Dein Bruder meine Gesellschaft lieber meiden."

Dies hinderte ihn aber nicht, alle Augenblicke seine Söhne um darlehnsweise Überlassung von einigen Mark zu ersuchen.

Dieser Ritter war der Unterhändler, welcher dem Sohne eines bekannten Sportsmannes, der als Avanta-geur bei dem Gardekavallerieregiment in Potsdam gedient hatte, die im vorhergehenden geschilderten Geschäfte

Großstadt-Dokumente Bd. 88.	5
        
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