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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

58 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

bereits Mitte Februar durch den Geldgeber ausgelöst und die sämtliche Habe von diesem wieder weiterverkauft worden war.

Eine Näherin hatte verschiedene Male zu dem Geldgeber Pfandscheine gebracht und mußte, wenn sie diese nach einigen Tagen wieder zurückholte, 1 M. 50 Ps. und mehr über den erhaltenen Betrag bezahlen.

Ein Kommissionär hatte für 25 M. Pfandscheine nach einigen Tagen zur Auslösung wieder 31 M. bezahlen müssen.

Eine kleidermacherin kam anfangs Februar 1906 zu dem Geldgeber, weil sie krank war und nichts verdienen konnte und deshalb sich in arger Not befand.

Sie teilte dies dem Geldgeber mit, als sie diesem mehrere Psandzettel übergab, um daraus Geld zu erhalten. Es war eine goldene Uhr, ein Oberbett und Stoffe versetzt um 16 M.; dafür bekam sie 3 M. und glaubte, daß sie die Psandzettel ein Monat lang liegen lassen dürfe.

Nach einigen Tagen brachte sie wieder Psandzettel, nach welchem eine Uhr mit Kette und Wäsche um 20 M. versetzt waren und erhielt 3 M. 50 Ps.; mehr wollte ihr der Geldgeber nicht geben; er sagte ihr dabei, daß ihre ersten Psandzettel bereits verfallen seien und teilte ihr auf die Frage mit, daß er sie noch 14 Tage liegen lasse und daß sie für die 14 Tage 1 M. zahlen müsse; da sie jammerte, daß sie am 15. Februar die Pfandscheine noch nicht holen könne, sagte er, er wolle sie noch bis '20. oder 28. da lassen, dann müsse sie aber weitere 50 Pf. bezahlen; die kleidermacherin löste dann an diesem Tage die Pfandscheine, die sie das zweitemal gebracht hatte, aus, mußte 4 M. 50 Pf. dafür bezahlen und bat, die ersten Pfandscheine noch liegen lassen zu dürfen.
        
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