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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

IV. Die Opfer der Wucherer.	57

werden müßten; nach 4 Wochen bat die Frau um einige Tage Stundung, die gewährt wurde, und als sie dann die Pfandscheine wieder holte, mutzte sie 6 M. 20 Pf. bezahlen.

Ein Ausgeher war im Dezember 1905 in große Not geraten, er hatte 6 Kinder zu Hause, seine Frau hatte gerade entbunden, der Mietzins sollte bezahlt werden und es war kein Geld im Hause; schon vorher war alles Entbehrliche im städtischen Leihhause versetzt worden, so daß er sieben Pfandscheine in Händen hatte; es waren versetzt ein Bett mit Federn im Werte von 25 M., ein Bettpolster im Werte von 4 M., ein Oberbett im Werte von 50 Nl., 6 Leintücher im Werte von 12 M., 2 Reste Zeug im Werte von 8 M. und andere kleinere Sachen auf sieben Pfandscheinen mit 34 M. belehnt; im Dezember 1905 ging dieser Ausgeher mit den sieben Pfandscheinen zu dem Geldgeber, er gab ihm die Pfandscheine und sagte auf die Frage des Geldgebers, er brauche 8 M. auf 4 Wochen; der Geldgeber sagte, er müsse ihm aber dann 10 M. dafür geben, der Ausgeher erhielt 8 M. und ließ die Pfandscheine beim Geldgeber. Anfangs Januar 1906 begab sich der Ehemann wieder zum Geldgeber, welcher die Pfandzettel noch in Händen hatte, zahlte 2 M. Zins und bat um Verlängerung auf einen Monat; am 11. oder 12. Februar zahlte er dann 10 M, bat aber gleich wieder um ein Darlehen von 10 M., da er sich noch immer in gleicher Notlage befinde.

Er erhielt 10 M. und ließ die Pfandscheine wieder dort mit der Bitte um eine weitere Stundung von einem Monat; der Geldgeber meinte, daß er ihm die Pfandscheine noch bis 25. März reserviere; als der Ausgeher dann um seine Pfandzettel holen kam, waren diese nicht mehr da und bei Nachfrage in der städtischen Leih-anstalt stellte sich heraus, daß sechs dieser Pfandzettel
        
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