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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

54 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer. 
nun den Kommerzienratssohn, den er aus seiner Jugend 
kannte, mit dem Rentier der Vorstadt bekannt. Er selbst 
gab dem kommerzienratssohn öfters Darlehen in Höhe 
von 500 M., wofür dieser dann immer wieder Wechsel, 
meist Dreimonatsakzepte, ausstellen und ihm entweder 
sofort bei der Entgegennahme des Darlehens oder einige 
Tage später einen Betrag von 40—50 M. zahlen mußte. 
Diese Dienste bezeichnete der Unterhändler lediglich 
als Freundschaftsdienste. 
Der Kommerzienratssohn kaufte nun von dem Rentier 
mehrere Automobile, wobei er selbst wieder von dem 
Rentier Bargeld erhielt und für Automobile und Bar¬ 
geld entsprechende Wechsel ausstellen mutzte. 
Mit einem solchen Automobil hatte es folgende 
Bewandtnis: 
Ein Postamtsgehilfe in Augsburg hat dieses Automobil, 
das neu 4700 Al. gekostet hatte, im Jahre 1904 in defektem 
Zustande um 1600 Al. gekauft; er verwendete 400 M. auf 
die Ausbesserungen; dann suchte er einen Käufer. Der 
vorbezeichnete Rentier meldete sich und zu diesem fuhr 
der Postamtsgehilfe den Kraftwagen von Augsburg nach 
der Münchener Vorstadt; der Rentier bot 2000 M., ver¬ 
langte aber, weil der Wagen noch immer defekt war, 
200 M. für Instandsetzung, die der Postamtsgehilfe auch 
bezahlen mutzte. 
Der Kauf kam in folgender Weise zustande: 
Der Rentier übernahm das Automobil, zahlte 100 M. 
bar, für 1900 M. stellte er einen Wechsel aus, zahlbar 
im Herbste 1906, und für die Reparaturkosten von 
200 M. mutzte der Postamtsgehilfe einen Sichtwechsel 
ausstellen, den er später auch einlöste. 
Der Rentier machte, später dann mit zwei Franzosen 
Geldgeschäfte, wobei auch das Automobil mitverkauft 
wurde; da die Franzosen die Wechsel aus dem Geld-
        
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