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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

48 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

Oberleutnant sehr erhebliche Verluste; denn er mutzte im Vierteljahr 4000 M. zur Bezahlung der Hypothekenzinsen daraus bezahlen, da nur ein Teil der Wohnungen vermietet war. Endlich stellte sich sogar heraus, daß das Mobiliar eines Restaurants im betreffenden Anwesen im Werte von 21000 M. unter Eigentumsvorbehalt verkauft und noch nicht bezahlt war. Im Mai 1903 schloß der Offizier mit einem Kaufmanne in einer kleinen württembergischen Provinzstadt ein Geschäft zur Höhe von 35000 M. in der Weise ab, daß er ihm 7 Akzepte über je 5000 M. gab und dafür einen Barbetrag von nicht ganz 18000 M. und zur Ausgleichung 22 Stück ausländische Industrie-Aktien ä 2000 M. übernahm. Diese Aktien waren geradezu wertlos. Im August 1903 verschaffte sich der Oberleutnant zur Deckung der dringendsten Verbindlichkeiten dadurch Geld, daß er seine gesamte kostbare Wohnungseinrichtung unter Vorbehalt des Rückkaufsrechtes veräußerte. Im Herbste 1903 kaufte er dann mehrere Anwesen im Werte von mehreren 100000 M, um aus diese Anwesen nur jeweilig einen ganz geringen Barbetrag zu erhalten. Die Schulden schlugen immer mehr über dem Ehepaare zusammen. Dabei spielte dieses in der Gesellschaft der Residenz die größte Rolle. Bei einem Reiterfeste, bei dem die Hofgesellschaft anwesend war, wurde dem Oberleutnant ob seiner vorzüglichen Reiterkunststücke zugejubelt und er als Held des Tages gefeiert. — Zum Schlüsse wollte er noch ein großes Geschäft in Holland unternehmen, durch welches er gegen Übernahme von Grundstücken den Betrag von 200000 Gulden auf 5 Jahre erhalten sollte. Das Geschäft gelangte jedoch wegen der drängenden Wuchergläubiger nicht mehr zum Abschlüsse und im Dezember 1903 geriet der Oberleutnant in Konkurs, mit einem Passivstande von mehreren Millionen Mark und die
        
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