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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

46 Großstadt - Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer. 
Darlehen, welche er durch Vermittlung der genannten 
Agenten aufgenommen hatte. Diese Schulden waren 
zum Teil dadurch entstanden, daß er für Gefälligkeits- 
Giros, die er Kameraden gegeben hatte, in Anspruch ge¬ 
nommen wurde und diese Summen bezahlen mutzte, zum 
Teile aber auch durch die Kosten für Urlaub und Bade¬ 
reisen, und endlich zum Teile dadurch, daß er sich Neun- 
pferde und einige Reitpferde über den Etat hielt. Der 
Oberleutnant leistete sich gewöhnlich außer seinen Charge¬ 
pferden zwei bis drei eigene Pferde und zwei bis drei 
Rennpferde. Nach seiner Verlobung im Januar 1902 
lebte er im Hinblicke auf die von seiner Frau zu er¬ 
wartende Mitgift natürlich noch flotter. Es verursachten 
die Reisen, welche er nach Berlin und Monte Earlo 
zum Besuche seiner Braut machte,. sowie die Geschenke 
für seine Braut hohe Ausgaben. Endlich wuchsen die 
Schulden durch dazukommende hohe Zinsen. Als der 
Offizier im Juni 1902 heiratete, betrugen seine Wechsel¬ 
schulden etwa 40000 M. Vom September 1902 bis 
zum Herbste 1903 war der Oberleutnant unter besonderer 
Auszeichnung zur spanischen Hofreitschule nach Wien 
kommandiert worden und nahm dortselbst auch Wohnung. 
Sein Schwiegervater hatte ihm für den Aufenthalt in 
Wien eine außerordentliche Zulage von monatlich 500 M. 
Zugesagt. Da aber seine Frau eine Lebensführung, wie 
sie dem eigentlichen Einkommen des Mannes entsprach, 
als einzige Tochter eines mehrfachen Millionärs nicht 
gewöhnt war, so sündigten die beiden darauf, daß der 
Schwiegervater die Schulden doch bezahlen würde. Es 
wurden Wagen und Pferde angeschafft und eine kost¬ 
spielige Wohnung eingerichtet. Der Oberleutnant kaufte 
seiner Frau eine Menge Juwelen und beide führten 
einen äußerst luxuriösen Haushalt. Seine Frau hielt vier 
Wagenpferde und ein Reitpferd. Ferner wurden auch
        
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