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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

IV. Die Opfer der Wucherer. 45 
reinste Attake von Reiter-Wechseln in des Wortes wahr¬ 
ster und schlimmster Bedeutung. Zum Schlüsse ließ sich 
der Offizier noch Wechselfälschungen zuschulden kommen. 
Er flüchtete, nachdem er, in einem Zeitraum von sechs 
Monaten allein nicht weniger als ca. 115 000 M. Wechsel¬ 
schulden, und im Ganzen ca. 350 000 M. Wechselschulden 
gemacht hatte. Er wurde vor das Kriegsgericht gestellt 
und wegen der verschiedensten Reate zu mehrjähriger 1 
Gefängnisstrafe verurteilt. Dem Offiziere war die glän¬ 
zendste Karriere wegen seiner persönlichen Tüchtigkeit 
prophezeit worden. Einige Monate nach dem Zusammen¬ 
breche starben der Schwiegervater und eine Schwägerin 
und die Ehefrau des Offiziers erbte im Ganzen ca.800000M. 
Vorher hatte sie sich aber schon von ihrem Manne schei¬ 
den lassen. Fürwahr, ein tragisches Schicksal, das wei¬ 
testen Kreisen zu denken geben kann! 
Ein anderes Bild: 
Ein junger Fähnrich trat nach Absolvierung des 
Kadettenkorps als Fähnrich in ein Kavallerieregiment 
einer kleineren Stadt und wurde in diesem Regimente 
im Jahre 1890 Leutnant und im Jahre 1898 Ober¬ 
leutnant. Dom Oktober 1897 bis Oktober 1899 war 
er zur Equitationsanstalt nach München kommandiert 
worden. Abgesehen von diesem Kommando war bisher 
sein ständiger Aufenthalt in der kleinen Provinzstadt. 
Schon von dieser aus stand er in Verbindung mit Geld¬ 
vermittlern der Großstadt, welche ihm teils auf seine 
Wechsel, teils auf Wechsel, die das Gefälligkeits-Giro 
eines Kameraden trugen, Geld besorgten. Im Jahre 1902 
verlobte er sich mit der Tochter eines Rentners und 
Oberleutnants a. D. in Berlin, eines angeblichen mehr¬ 
fachen Millionärs. Damals hatte der Oberleutnant, ab¬ 
gesehen von Schulden bei Bekannten, Verwandten und 
Lieferanten, etwa 20000 M. Wechselschulden aus den
        
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