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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

IV. Die Opfer der Wucherer.

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Bürgschaft geleistet hatte und deshalb in Anspruch genommen wurde, etwa 40—60000 M. zu bezahlen. Er geriet in die Hände von Wucherern und die Schuldenlast wurde immer größer. Im Herbste 1896 betrugen die Schulden etwa 200 000 M. Anfangs 1897 fertigte der Schwiegervater des Offiziers sämtliche Schulden bis auf einige tausend Mark weg. Im Herbste 1900 wurde der Offizier wegen seiner hervorragenden Begabung und vorzüglichen dienstlichen Qualifikation zu einem besonderen Kommando in der Residenz verwendet. Sein Einkommen nebst Nebenbezügen betrug jährlich ca. 5000 M. ohne den Zuschuß seitens seines Schwiegervaters. Im Ganzen hatte er also jährlich ca. 15 000 M. zu verzehren. Vom Jahre 1901 ab wurden an dem Offiziere wegen sexueller Verirrungen Erpressungen in schamlosester Weise ausgeübt. In der Zeit vom Frühjahr 1901 bis anfangs 1903 gab er seinen Erpressern im Ganzen ca. 17 bis 18 000 Al. in bar und Geldeswert hin. Aus Angst, daß die Erpresser sich an seine Frau und seinen Oberst wenden könnten und daß seine Frau dann allenfalls auf Scheidung klagen würde, begab er sich immer mehr in Wucherhände. Er wendete sich zu diesem Zwecke an einen ehemaligen Offizier, der den Agenten spielte und die Geldvermittlung vornahm. In der Regel wurde dem Offizier das Geld gegen ein Dreimonatsakzept unter Abzug, wie vorerwähnt, von 10 Prozent vom Kapitalisten gegeben. Der Agent seinerseits zog wieder 5 Prozent vom Varbetrage für sich ab. Der Offizier nahm, teilweise unter Bürgschaftsleistung von Kameraden immer mehr Geld zu diesen Bedingungen auf und trieb nun bald eine geradezu unglaubliche Wechselwirtschaft, die, wie der Staatsanwalt sagte, fast einzig dasteht. Beinahe tagtäglich wurden ein oder mehrere Wechsel über mehrere tausend Mark von dem Offiziere akzeptiert, ohne daß
        
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