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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

42 Gro ßstadt - Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

er einen dreimonatlichen Urlaub, um sich in der franzö-schen Sprache auszubilden. Er nahm ein Darlehen von 800 M. von einem Hotelier der kleinen Garnisonstadt aus und ließ sich einen weiteren Betrag von 1000 M. nach Brüssel, wo er seinen Urlaub verbrachte, nachsenden. In Brüssel lernte der adelige Offizier seine nachmalige Frau, eine Bürgerliche, die Tochter eines privatisierenden früheren Grotzkaufmanns kennen. Im Mai 1891 fand die Hochzeit statt. Eine Mitgift erhielt die Frau nicht, dagegen leistete der Schwiegervater einen jährlichen Zuschuß von 10 000 M. Aus diesen Betrag, sowie auf seinen Gehalt waren der Offizier und seine Frau zur Bestreitung ihrer Bedürfnisse angewiesen. Die Schuldenlast betrug damals ca. 6000 M., doch drängten die Gläubiger nicht und so wurden die Schulden auch nicht bezahlt. Im Iahre 1891 wurde der Offizier zur Equitations-anstalt nach München (gleich dem Offiziersreitinstitut in Hannover) kommandiert. Hier trieb er einen bedeutend größeren Aufwand: er hielt sich einen Rennstall mit 4 Pferden, ferner 2—3 Reitpferde, eine Equipage mit 2 Pferden und mußte sich auch dementsprechend großes Dienstpersonal leisten. Außerdem machte er mit seiner Frau größere Reisen und hierzu reichte sein Gehalt und der Zuschuß des Schwiegervaters nicht aus. Der Offizier machte Schulden. Als seine Frau im Iahre 1892 aus einer Erbschaft einen Barbetrag von 100 000 M. erhielt, wurde die eine Hälfte zur Bezahlung der Schulden verwendet, die andere Hälfte wurde während der nächsten IV2 Iahre aufgezehrt. Als der Offizier im Herbste 1893 nach feiner kleinen Garnison zurückkehrte, gab er zwar seinen Remtstall aus, aber da er mit seiner Frau desto größere Reisen machte, waren seine Ausgaben in der kleinen Stadt ebenso groß wie in der Großstadt. Außerdem hatte der Offizier, da er für zwei Kameraden
        
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