Path:
IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

40 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

der gleichfalls Gegenstand der Aburteilung in dem großen Münchener Wucherprozesse in diesem Jahre war:

Der Sohn eines der bekanntesten deutschen Sportsmänner und Millionäre trat im Alter von 20 Jahren bei einem der ersten preußischen Garde-Kavallerieregimenter als Fahnenjunker ein. kaum dem Gymnasium entwachsen und während der letzten Jahre seiner Gymnasial-zeit verbrauchte er erheblich mehr Geld, als ihm von seinem Vater zur Bestreitung seiner Bedürfnisse gegeben wurde, nämlich, während eines Jahres als Gymnasiast statt 500 M. monatlich, im Jahre volle 16 000 M. Es klingt geradezu unglaublich, daß ein Gymnasiast eine solche Summe verbrauchen kann. Als Fahnenjunker unterhielt der junge Mann ein Verhältnis mit einer Schauspielerin in Berlin. Um deren Geldbedürsnissen zu genügen, gab er ihr aus ihre Bitte 15 Blankoakzepte, damit auf dieselben Geld beschafft würde. Die Schauspielerin hatte also das Recht, diese Akzepte mit einer beliebigen Summe auszufüllen. Ein Agent, den der junge Herr bei der Schauspielerin kennen gelernt hatte, besorgte die Vermittlung des Geldes aus die Akzepte. Drei Akzepte wurden zu je 20000 M. ausgestellt. Der Agent trat mit einem anderen Agenten in Verbindung und diese wieder mit Unterhändlern in München. Diese mußten aus die „Aavalierwechsel" das Geld beschaffen. Die Münchener Agenten, unter denen ein Adeliger mit dem Namen eines sehr bekannten Großindustriellen war, brachten die Verwertung der Akzepte in folgender Weise zustande: Für den einen Wechsel zu 20 000 M. wurde ein Barbetrag von 16 000 M. gegeben, das Übrige war Verdienst für ein Jahr. Für den zweiten Wechsel sollte ein Automobil beschafft werden, das der junge Herr Baron selbst um 17—18 000 M. weiter veräußern könnte. Es wurde nun statt eines neuen Automobils ein bereits von
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.