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IV. Die Opfer der Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

Die Opfer des Wuchers rekrutieren sich im allgemeinen mehr aus bestimmten Kreisen wie die Wucherer selbst. Es sind vornehmlich Minderersahrene, außerdem kleinere Handwerker und Gewerbetreibende, minderjährige Haussöhne begüterter und herrschaftlicher Familien, und insbesondere auch, wie sattsam bekannt, Offiziere. Man kann also von „Herren-Opfern" und „gnädigen Herren-Opfern" der Wucherer sprechen. Insbesondere ist die letztere Kategorie der willkommenste Boden der Wucherer in der Großstadt. Zumeist ist auch hier das gesetzliche Merkmal des Wuchers vornehmlich in dem Leichtsinne der Bewucherten zu erblicken. Vielfach mag hieran unser ganzes gesellschaftliches Leben in Deutschland, im Gegensatz zu England und Amerika, schuld sein. Die Söhne unserer sogenannten besten Familien wachsen zumeist in krassester gesellschaftlicher Äberhebung aus. Der Kaufmannsstand gilt in Deutschland leider noch in den meisten dieser Familien als minderwertig. Der englische und amerikanische junge Mann wächst in vollständig anderen Verhältnissen in bezug aus diese Frage aus. Leider zu viele junge Leute in Deutschland, vornehmlich in Offiziers- und Studentenkreisen, sehen den Kaufmann über die Achsel an, wissen nicht, wie schwer Geld zu verdienen ist und glauben vielfach nur, daß das Geld ihnen schon als WiegengeschenK vor den Füßen liegen müsse. Infolgedessen zeigt sich bei diesen jungen Herren unserer deutschen sogenannten besten Kreise ein geradezu unglaublicher und schrankenloser Leichtsinn. Besser als alle Ausführungen kann dies der nachfolgende Fall beleuchten,
        
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