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III. Die Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

III. Die Wucherer.

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wirtschaftlichen Verhältnissen des Darlehnsnehmers das Geschäft wagen darf — sonst würde er es überhaupt nicht unternehmen —, so bleibt doch immerhin die Gefahr des Verlustes bestehen, wenn nicht genügend reale Sicherheit gegeben ist. Es ist in den Großstädten zum Teil vollständiger Brauch und Mißbrauch geworden, daß in gewissen Kapitalistischen Kreisen Wechsel kleinerer Geschäftsleute oder insbesondere von Offizieren mit dem vorerwähnten Nachlasse von 10 Prozent für das Vierteljahr gekauft oder „gemacht" werden. Ob nun dieses Geschäft im einzelnen Falle wucherisch ist, wird von den Umständen des jeweiligen Sachverhältnisses abhängen. Derartige Wechselgeschäfte machen nun, wie gesagt, in den Großstädten die sogenannten „Kapitalisten" der breitesten Schichten. Es sind insbesondere Leute, welche kein ausgesprochenes Bank- oder ähnliches Geschäft betreiben. Leute, welche sich als Privatiers bezeichnen und in der Großstadt mit ihrem Kapital derartige Geschäfte machen. Ob sie hierbei zum Schlüsse aus eine wirklich gute Bilanz kommen, ist meistens sehr zweifelhaft. Es ist überhaupt eine merkwürdige Erscheinung im wirtschaftlichen Leben, daß aus Sucht, höhere Zinsen zu bekommen, die Leute zwar zu Ansang mit Wohlgefallen ihre hohen oder Wucherzinsen einstreichen dürfen, dann aber zu ihrem desto größeren Schrecken das gesamte Kapital verlieren. Die Leute hoffen bei der Bewuche-rung sogenannter Kavaliere, wozu zweifellos insbesondere die Kavallerieoffiziere — nomen est omen — gehören, daß die Familien derselben diese nicht fallen lassen werden und es ist dies zumeist ihre einzige Sicherheit, die sie als gegeben erachten dürfen. Vielfach trifft diese Voraussetzung zu, in vielen Fällen kommt aber, wie aus dem nachstehenden Kapitel zu ersehen ist, auch in sogenannten hochstehenden kreisen das Ende mit Schrecken. — Welche

Großstadt»Dokumente Bd. 38.	3
        
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