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III. Die Wucherer

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

32 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

wertigeren Heirat seinen Abschied hatte nehmen müssen, kaufte er dann Wechsel verschiedener Offiziere, deren Frauen als Millionärinnen galten, mit einem Abzuge von 10 Prozent für das Vierteljahr. Für diese Geldgeschäfte bekam der ehemalige Offizier von der Strafkammer eine Strafe von drei Monaten Gefängnis zugesprochen.

Es ist, wie gesagt, geradezu unglaublich, welche Elemente in der Großstadt sich mit den Wuchergeschäften befassen. Zumeist sind ja diese Leute so schlau, nicht selbst in die Öffentlichkeit zu treten, sondern Mittelleute — sogenannte Strohmänner — vorzuschieben. Die Unterhändler kennen genau ihre Kapitalisten und die Unterhändler sind es zumeist, welche insbesondere den Wechselverkehr zwischen Darlehnsnehmer und Darlehnsgeber vermitteln. Immerhin besteht ja bei derartigen Darlehns-hingaben ein ziemliches Risiko für den Darlehnsgeber; denn derjenige, der zu solchen Prozenten Geld braucht, ist in der Regel wirtschaftlich sehr schwach gestellt und kann keine Sicherheit bieten. Wenn er Sicherheit bieten könnte, brauchte er sich nicht in die Krallen des Wucherers zu begeben. Es muß sohin bei Abwägung des Vermögensvorteiles insbesondere, wie dies zu Eingang der Betrachtungen über den wirtschaftlichen Wucher ausgeführt wurde, auf die geleistete Sicherheit Rücksicht genommen werden. Wenn die Reichsbank bei Prima-diskonten, bei fast absoluter Sicherheit für ihr Geld schon 7—8 Prozent für das Jahr genommen hat, so fragt es sich, ob bei Mangel einer Sicherheit und immerhin bestehender Gefährdung ein Zinsfuß von 10 Prozent für das Vierteljahr oder 40 Prozent für das Jahr eine Ausbeutung ist, welche in ausfallendem Mißverhältnisse zum Werte der Leistung steht; denn selbst wenn der Kreditgeber glaubt, daß er nach den gesellschaftlichen und
        
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