Path:
II. Der juridische Wucher

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

II. Der juridische Wucher.

19

erlaubt, und wo die Landrechte 6 Prozent gestatteten, stand dem kein Reichsgesetz entgegen. Vgl. Lexis a. a. O. 6. 782.

Im 18. Jahrhundert ging auch die katholische Kirche zu einer wesentlich milderen Auffassung des Darlehenszinses über, wie sich aus einer Enzyklika Benedikt XIV. von 1741 ergibt. Die Wuchersrage drehte sich im wirtschaftlichen Sinne nunmehr auch nicht mehr um die Entscheidung, ob Zinsen überhaupt zulässig seien, sondern ob ein gesetzliches Maximum des Zinssatzes aufrecht zu erhalten sei. Diese Frage ist bis heute noch nicht gelöst und wird wohl auch niemals unter Ausgleichung aller widerstrebenden Interessen zur endgültigen Erledigung kommen Können.

Was die neuere Wuchergesetzgebung außerhalb des derzeitigen deutschen Reiches anlangt, so wurde der Grundsatz von der völligen Freiheit des Zinsfußes zuerst in Österreich von Kaiser Joses II. 1787 eingeführt, allerdings mit der Beschränkung, datz der gerichtliche Beistand bei der Eintreibung der Zinsen versagt wurde, wenn diese bei hypothekarischen Zinsen 4 Prozent, bei sonstigen 5 Prozent, bei kaufmännischen 6 Prozent überschritten. Die Strasbestimmungen aber fielen weg. Die Wirkung des Gesetzes entsprach indes durchaus nicht den Erwartungen; man dachte bald wieder an eine Abänderung desselben und im Jahre 1789 ließ Kaiser Josef II. eine Preisfrage ausschreiben: „Mas ist Wucher und durch welche Mittel ist demselben ohne Strafgesetze Einhalt zu tun?" Es entstand eine große Kontroverse in der damaligen Literatur und die Frage wurde mit wirklichem Erfolge nicht gelöst, wie sie überhaupt nicht zu lösen ist.

Das österreichische Gesetz vom 14. Dezember 1866 hob die Zinsgrenze und das Verbot der Zinseszinsen bei Gelddarlehen auf, bestimmte aber im übrigen den
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.