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II. Der juridische Wucher

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

16 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

jährlich der gesetzlich höchste Zinsfuß. Ein interessanter Fall der Berücksichtigung der vorher ausgeführten Risikoprämie zeigte sich in dem Darlehen, das Seefahrern zur Ausführung ihrer wirtschaftlichen Unternehmen gegeben wurde. Wegen der mit der Seefahrt verbundenen Gefahr der Rückerhaltung des gegebenen Darlehens durfte ein höherer Zinsfuß, welcher auch durch die Gewinnbeteiligung begründet war, genommen werden. Bei kleineren Gelddarlehen wurden später 18 Prozent für das Jahr erlaubt. Die spätkaiserliche Gesetzgebung hat unter dem Einfluß der christlichen Kirche, welche das Zinsnehmen überhaupt als unsittlich verwarf, die gesetzlichen Zinsen aus 6 Prozent herabgesetzt, wodurch sich vielleicht heute noch die auch in der modernen und insbesondere derzeitigen deutschen Gesetzgebung rechtliche Festsetzung des gesetzlichen Zinsfußes auf 5—6 Prozent für das Jahr ableiten läßt. Fabrikanten durften von Kaufleuten nach der Gesetzgebung Iustinians 8 Prozent verlangen. Nach römischem Rechte war es ferner verboten, Zinseszinsen zu nehmen, sei es durch Zuschlag der unbezahlten Zinsen zum Kapital, sei es durch Konstituierung derselben als besonderes Kapital. Nach Iusti-nians Novelle 121 soll die Gesamtsumme der gezahlten Zinsen nicht mehr als das Doppelte der Schuldsumme ausmachen. Die Erhebung von unerlaubten Zinsen und Zinseszinsen zog nach einem Gesetze des Kaisers Dio-cletian und Maximilian die Strafe der Infamie nach sich. Also auch hier die Berücksichtigung der moralischen Verwerflichkeit des Nehmens von Wucherzinsen.

Die Kirche hatte, wie gesagt, das Zinsnehmen verboten und suchte dies den Laien gegenüber mit geistlichen Strafen zur Geltung zu bringen. In der karolingischen Zeit wird der Wucher schon ganz im streng kirchlichen Sinne aufgefaßt: alles, was über den Betrag des Dar-
        
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