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II. Der juridische Wucher

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

Der Wucherbegriff im rechtlichen Sinne hat, wie jedes Rechtsgebilde, seine Geschichte. Bis zurück in die Jahrtausende gehen die Spuren in den Gesetzgebungen bezüglich des Wuchers. Das älteste Verbot des Wuchers enthält das jüdische Gesetz. Auch hier finden wir dasselbe als moralische Norm „zugunsten verarmter Glaubensgenossen": 3. Mos. 25, V. 35: „Wenn dein Bruder verarmt und unvermögend wird neben dir, so unterstütze ihn .. .; V. 37: „Dein Geld sollst du ihm nicht um Zins und deine Speise nicht um Wucher geben." Dem Geiste der damaligen nationalen Auffassung entspricht wieder das Wort des religiösen Gesetzgebers: „Von Fremden magst du Wucher nehmen aber nicht von deinem Bruder sollst du Wucher nehmen", 5. Mos. 23, V. 20 — und merkwürdig ist die Stelle in dem gleichem Buche Kap. 15, V. 6: „Du wirst vielen Völkern aus Pfand leihen, du selbst aber nichts entlehnen."

Diese Ausführungen, wie auch die nachfolgenden lehnen sich an den Aufsatz von Lexis im Handwörterbuche der Staatswissenschasten 1. Aufl. S. 773 ff. an.

Die athenische Gesetzgebung unter Solon ließ den Zinsfuß unbeschränkt und es stand derselbe später meistens zu 12 — 18 Prozent. — In Rom wurde schon durch die Zwölstaselgesetze (451 v. Ehr.) eine obere Grenze des Zinsfußes bestimmt und zwar ein Zwölftel des Kapitals für das Jahr, also ungefähr 10 Prozent. Adi-lizische Strafen standen nach einem Gesetze von 357 v. Chr. aus der Überschreitung des gesetzlichen Zinsfußes. Zm allgemeinen blieb in Rom der Zinsfuß von 12 Prozent
        
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