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I. Der wirtschaftliche Wucher

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

10 Großstadt-Dokumente Bd. 38. Wucherer und ihre Opfer.

Dazu kommt insbesondere, daß bezüglich der Frage des Überschreitens der im wirtschaftlichen Verkehr für die Entgeltlichkeit einer Leistung gezogenen Grenzen, insbesondere auch das Risiko des Gläubigers für die Zurückerhaltung des Entgelts seiner Leistung in Frage kommt. Insbesondere von Bedeutung ist demnach das Risiko des Gläubigers für die Frage, ob in wirtschaftlicher Beziehung eine übermäßige Ausbeutung des Kreditnehmers vorliegt. Strenge Grenzen für den Wucher in wirtschaftlicher Beziehung lassen sich überhaupt nicht ziehen. Ss muß für den landläufigen Begriff des Wuchers im wirtschaftlichen Sinne daran festgehalten werden, daß ein Wucher in dieser Beziehung nur dann angenommen werden kann, wenn bei Ausschluß oder wenigstens erheblichster Minderung des Risikos eine übermäßige Entgeltlichkeit in einem Maße begehrt und gewährt wird, so daß auch vorn moralischen Standpunkte aus ein derartiges Geschäftsgebaren nach den Anschauungen des Verkehrs als verwerflich zu bezeichnen ist.

Die subjektive Seite des Wuchers ist es also insbesondere, welche eines der Hauptkriterien des Wuchers im wirtschaftlichen Sinne dieses Begriffes ist. Es muß insbesondere stets auf den konkreten Fall Rücksicht genommen werden und das gesamte geschäftliche Soll und Haben aus feiten beider Vertragsteile genauestens auf die Wagschale gelegt werden.

Aus all dem Vorausgeführten ergibt sich, daß der wirtschaftliche Begriff des Wuchers äußerst schwer zu definieren ist. Die wahre Grundlage des gesamten wirtschaftlichen Begriffes „Wucher" zeigt sich auch, wie im folgenden Kapitel ausgeführt werden soll, in der rechtlichen Behandlung desselben durch die Gesetzgebungen der verschiedensten Jahrhunderte und Staaten.
        
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