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I. Der wirtschaftliche Wucher

Full text: Die Wucherer und ihre Opfer / Benario, Leo

Der wirtschaftliche Begriff des Wuchers hat sich aus der Erhebung von übermäßig hohen Zinsen bezüglich eines gegebenen Darlehens entwickelt. Zweifellos sprach man zuerst im Volksmunde vom Wucher bei der Forderung übermäßig hoher Zinsen für ein Darlehen, wobei die Übervorteilung des Kreditbedürftigen wohl als das wesentlichste in dem Wucherbegriffe aufgefaßt wurde. Allein es handelt sich nicht bloß um den Geldwucher. Jede Art von vertretbaren Gegenständen, welche in der gleichen Art zurückerstattet werden sollen, kann zum Gegenstände wucherischer Ausbeutung gemacht werden. Insbesondere kann auch durch andere Vermögensvorteile, wie Provisionssorderung, Hingabe von Waren an Zahlungsstatt zu besonders hohen Preisen, eine wucherische Ausbeutung erfolgen. In Form der Prolongation von Schulden gegen hohes Entgelt kann gleichfalls die wirtschaftliche Ausbeutung liegen. Ein fest bestimmtes Merkmal des Wuchers in volkswirtschaftlicher Beziehung läßt sich überhaupt nicht aufstellen. Es ist ungeheuer schwierig, insbesondere im modernen Verkehr, die Übermäßigkeit einer Vergütung festzustellen. In dem einen Falle kann dem Kreditbedürftigen ein gegebenes Darlehen selbst mit hoher Zinsverbindlichkeit ein besonderer wirtschaftlicher Vorteil sein, wenn er sich dadurch von seinem wirtschaftlichen Ruin retten kann, und anderseits wieder kann schon eine geringere Entgeltlichkeit eine bedeutende und übermäßige Belastung und Übervorteilung bedeuten.
        
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